Hier ein paar nützliche Tipps für den Fall der Fälle !!!

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WAS TUN IN POLIZEIGEWAHRSAM ?
Verhaltenstipps

1. Ruhe bewahren! Keinen körperlichen Widerstand leisten!

2. Auf dem Transport zur Wache oder beim Warten im Flur oder im Zimmer kein Wort über das, was passiert ist. Auch mit anderen nicht über das Geschehene sprechen, sondern höchstens über eure Rechte.

3. Gegenüber der Polizei bist du nur verpflichtet, Name, Vorname, Adresse, Beruf, Geburtsdatum und -ort, Familienstand und Staatsangehörigkeit zu nennen. Nichts weiter! Im Verhör nicht einwickeln/einschüchtern lassen. Weder von Brutalos noch von „verständnisvollen Onkel-Typen“. Glaube nicht, die Beamten austricksen zu können! Mach ihnen klar, dass du die Aussage umfassend verweigerst und antworte auf jede Frage (auch zu Belanglosem wie dem Ergebnis des Spiels oder der Situation der Mannschaft): „Ich verweigere die Aussage“. Nur wenn deine Festnahme auf klaren Verwechslungen oder Missverständnissen beruht, kannst du versuchen, dies richtig zu stellen, wenn du sicher bist, dass sie dich dann sofort freilassen. Ansonsten gilt: Keine Aussage machen ohne Rücksprache mit Anwalt oder Fan-Projekt – auch wenn die Beamten sagen, dass es besser für dich wäre, sofort eine Aussage zu machen.

4. Nach der Festnahme hast du das Recht, mindestens ein Telefongespräch zu führen. Nerve die Polizisten, bis sie dich telefonieren lassen. Drohe notfalls mit einer Anzeige.

5. Bei Verletzungen einen Arzt verlangen, von diesem ein Attest fordern. Bei stärkeren Verletzungen durch Beamte nach der Freilassung vom Hausarzt ein zweites Attest anfertigen lassen.

6. Bei beschädigten Sachen schriftliche Bestätigung verlangen.

7. Bei erkennungsdienstlicher Behandlung (Fotos, Fingerabdrücke) Widerspruch einlegen und protokollieren lassen.

8. Selbst allerdings nichts ohne sorgfältige Prüfung des Inhalts unterschreiben! Verweigere im Zweifel die Unterschrift, vor allem wenn im Vernehmungsprotokoll irgendwelche Aussagen von dir enthalten sind, die über die Angaben zu deiner Person hinausgehen.

9. Die Polizei muss dich sofort freilassen, sobald der Anlass der Maßnahme beendet ist, d. h. nachdem deine Personalien aufgenommen und überprüft wurden oder wenn das Spiel vorbei ist bzw. die „Problemfans“ wieder abgereist sind. Darüber hinaus gibt es eine absolute Höchstdauer, die bei Festnahmen zur Identitätsfeststellung zwölf Stunden beträgt, ansonsten bis spätestens 24 Uhr des Folgetages.

10. Alle Festnahmen, die länger als zwei bis drei Stunden dauern (z. B. wenn du eine Stunde vor dem Spiel festgenommen wirst und eine Stunde nach dem Spiel freigelassen werden sollst), muss die Polizei von einem Richter absegnen lassen. Leider wird dies in der Praxis fast nie beachtet. Die Gerichte sind aber auch am Wochenende verpflichtet, zumindest tagsüber hierfür einen Notdienst bereit zu stellen. Wenn deine Ingewahrsamnahme
ungerechtfertigt ist, solltest du eindringlich fordern, sofort einem Richter vorgeführt zu werden. Drohe notfalls mit einer Anzeige.

11. Die Rechtswidrigkeit deiner Festnahme (z. B. weil du nichts getan hast oder weil die Polizei „vergessen“ hat, unverzüglich eine richterliche Entscheidung einzuholen) kannst du in jedem Fall auch nachträglich noch feststellen lassen. Auf dieser Grundlage kannst du dann Schadensersatz fordern und Anzeige wegen „Freiheitsberaubung im Amt“ und/oder Dienstaufsichtsbeschwerde erheben. Bedenke: Wenn der Polizei auf diese Weise ihre Grenzen aufgezeigt werden, profitieren letztlich alle Fans davon.

12. Erstelle unmittelbar nach der Freilassung, so lange die Erinnerung noch frisch ist, ein Gedächtnisprotokoll mit allen Details.

13. Wende dich an einen Anwalt oder das Fanprojekt und bespreche das weitere Vorgehen.

Adresse:

Fanladen St. Pauli
Heiligengeistfeld 1 A
20359 Hamburg/St. Pauli
Fon: 040- 439 69 61
Fax: 040- 430 51 19
info@stpauli-fanladen.de


WAS TUN BEI VORLADUNGEN UND VOR GERICHT ?

1. Nur bei einer Vorladung durch einen Staatsanwalt oder Richter musst du hingehen, bei Vorladungen der Polizei (auch LKA oder BKA, und egal ob als Zeuge oder Beschuldigter) kannst du zu Hause bleiben. Wenn du hingehst, dann aber nur mit einem Anwalt!

2. Als Beschuldigter oder Angeklagter hast du jedes Recht, die Aussage zu verweigern (während des ganzen Prozesses), ohne dass dir dies zum Nachteil ausgelegt werden darf. Alles, was du eventuell sagen möchtest, sollte vorher mit dem Anwalt besprochen werden.

3. Als Zeuge bist du vor Staatsanwaltschaft und Gericht zur Aussage verpflichtet, außer du kannst ein Zeugnisverweigerungsrecht in Anspruch nehmen, z. B. als Verwandter (dazu zählt auch Verlobung) oder wenn du dich durch eine Aussage selbst belasten könntest (dann musst du das allerdings begründen und könntest dich dabei noch mehr belasten).

Verfasser: Wilko Zicht
Quelle: „Die 100 »schönsten« Schikanen gegen Fußballfans“ (Herausgeber B.A.F.F. 2004)