Einem geschenkten Gaul usw. usf., aber der 1. FC Köln-Aufkleber auf dem von M.s Bruder geliehenen Wagen musste erstmal überklebt werden, bevor wir uns am späten Donnerstagnachmittag in Richtung Lüttich aufmachen konnten. Draußen prasselten Regen und Hagel, drinnen ploppte es. Das Navi war anderer Meinung als wir, aber um eine erneute unfreiwillige Stadtrundfahrt zu vermeiden, gehorchten wir. Da wir mit „Warm FM“ einen Radiosender mit feinem Electro gefunden hatten, machte es sogar Spaß sich vom Navi durch die Stadt und 2mal? 3mal? über die Maas leiten zu lassen um schließlich in die mittlerweile vertraute Rue Ernest Solvay einzubiegen.
Vor der Cosa erhielten wir unsere Karten, für die N. kein Geld sehen wollte. Was es mit dem Aufdruck „Les Ultras“ auf sich hat, weiß ich (noch) nicht, stelle mir aber nur vor, wir hätten für unsere Heimkurve ein Kontingent Karten, auf denen „Die Ultras“ stünde. Das wäre Vertrauensbeweis und Anerkennung gleichermaßen und würde helfen, Diskussionen zu entschärfen und Probleme zu vermeiden.
Neben einer wieder sehr interessanten Unterhaltung mit korrekten Aachener_innen war Zeit genug für Klönschnack, der hier immer 3-sprachig abläuft. Aber eine gute halbe Stunde vor Anpfiff wurden wir immer nervöser, während N. und R. immer noch keine Anstalten machten, in Richtung Stadion aufzubrechen. Endlich setzten wir uns in Bewegung, und nachdem der Inhalt der Spruchbänder vor dem Einlass nicht nur gelesen, sondern über Funk durchgegeben und genehmigt worden war, ging es auf die Tribüne.

In älteren und unprätentiösen Stadien wie Terni oder Sclessin meine ich die Diskrepanz zwischen dem Fußball, wie wir ihn leben (wollen) und der in seelenlosen Konfektionsspielstätten von DFB und DFL verantworteten Kommerzkacke fast schon körperlich zu spüren. Natürlich habe ich aus der naiven Perspektive des Gastes keine Ahnung von etwaigen Problemen mit Verein oder anderen Fangruppen und kann nur vermuten, dass der Ärger über die Supportqualität in der Heimkurve ähnlich ist wie bei uns – aber mit den Leuten von UI dort zu stehen und so gut es eben geht mitzusingen fiel fast schon leichter als manchmal bei unserem eigenen Support in so emotionsabtötenden Arenen wie München oder Aachen.

Freundschaft hin oder her, aber wirklich gut hat das Standard-Team meiner Ansicht nach nicht gespielt. Nachdem Standard in der 2. Halbzeit nach Elfmeter durch Tchité in Führung ging, fiel uns sehr angenehm auf, dass beim Torjubel keine Getränke durch die Gegend flogen. So wie man ohnehin niemanden sah, der sich mit Bierbechern oder Würstchen durch die Menge quetschte. Lediglich in der Halbzeitpause wurden Chips und Kekse herumgereicht.
Die 7 Minuten Nachspielzeit empfanden wir schon als heftig. Ich hasse Nachspielzeiten ohnehin, weil das in der Regel für uns nicht gut ausgeht. Na ja, und in der 4. Nachspielminute erzielte Brügge dann den Ausgleich, was natürlich der ollen homophoben Koksnase als Verdienst angerechnet werden wird.
Zum Trost auf der Fressmeile die guten belgischen Fritten geholt und nach ausführlicher Verabschiedung vor der Cosa die Heimfahrt angetreten.
Merci beaucoup aux Ultras Inferno 1996 pour la vôtre hospitalité!
Ich hoffe, wir können uns bald revanchieren und sehen uns spätestens beim Antira wieder.
Mary Read