Vier Fäuste für ein Null zu Null oder: „Mit dem Arsch soll ich Punkte teilen??“
Ja, Mensch, nee, von Spielzeit zu Spielzeit muss es sich ja eben doch immer mal wieder rächen, dass ich seinerzeit diese unselige Mesalliance mit einem Fortunen eingegangen bin, der zwischenzeitlich schon zu so einer Art Millerntormaskottchen mutiert ist und aus mir vollkommen unverständlichen Gründen eine besondere Zuneigung der SPM genießen darf, die schon an Verhätschelung grenzt. Seit neun Jahren trottet er nun schon immer brav an meiner Seite zu den Spielen des FCSP und ich genauso brav mit ihm zu den Rotweißen, was zwar ne verdammt zeitraubende und auch finanziell anstrengende Angelegenheit ist, aber sonst würden wir uns ja auch irgendwie nur noch aus fahrenden Zügen zuwinken statt ne Beziehung zu führen.
Eines aber war immer klar: Partnerlook steht uns überhaupt nicht, und wenn Begegnungen zwischen unseren jeweiligen Herzblutvereinen anstehen, dann ist Schluss mit lustig und Kuscheln aber so was von vorbei!! Das bedeutet im Schnitt eine Woche knallgrüne Sprechblasen, Gedisse bis der Chefarzt kommt und geteiltes Leid kommt genauso wenig in Frage wie geteilte Punkte, ha, das wäre ja noch schöner. Dachte ich jedenfalls.
Naja, ähnliches dachte sich wohl auch die Redaktions-Mafiosa, die einem guten Zoff nie abgeneigt ist, so dass Ihr heute gleich zwei Spielberichte aus gegnerischen Kurven nebst unserem unehelichen Ehekrach verdauen dürft, beschwert euch bei ihr ;o)
Und ich gab mein Bestes. Schon in der Nacht zu Samstag wurden heimtückisch sämtliche Frühstückseier mit Jolly Rogern bemalt und die fiese Fortuna-Kaffeetasse im hintersten Schrankwinkel versteckt, Tags drauf dann die Wohnung (mein Heimvorteil) mit Hamburger Penngästen besetzt, so dass für mein Fortünchen erstmal harte Zeiten anbrachen, die übers Wochenende dank des nach und nach anreisenden Auswärtssupports auch nicht leichter für ihn werden sollten. Aber da ich schon einen Blick in den ausführlichen Bericht meines Gegenparts geworfen habe, lasse ich die weiteren Stationen unser Wochenendtournee hier aus, um euch Wiederholungen zu ersparen (und erspare mir selbst, an dieser Stelle einflechten zu müssen, dass ich natürlich wieder in der S-Bahn eingepennt bin, aber da häng ich doch lieber eine Nacht in Wattenscheid-Höntrop tot überm Zaun, als den Vorabend der Entscheidungsschlacht in der Gesellschaft eines Fortunen verbringen zu müssen, so sieht‘s nämlich aus!!!)

Okay, wir sind dann also mit alle Mann und Frau am Montag mehr oder weniger geschreddert mit der Straßenbahn von Duisburg zur Düsseldorfer Spritarena gegondelt, haben’s ihm unterwegs nochmal kräftig gegeben, was ihn aber nicht hindern konnte, das freundliche Angebot eines Fortunen, unserm Trupp den Weg zum Gästeeingang zu zeigen, empört zurückzuweisen, da er doch schließlich unser persönlicher Geleitschutz sei. Okay, wurden wir den alten Schleimer also immer noch nicht los, sondern schleiften ihn noch bis zum Eingang Nordost mit, wo er zu meiner Verbitterung auch noch die freundlichste Begrüßung erfuhr, anstatt endlich mal eins auf die Nase zu kriegen. Na gut, mein Kater hatte sich inzwischen aber auch schon längst in Spieltagskribbeln und Wiedersehenseuphorie aufgelöst, und als dann noch mit dem Erscheinen der Mafiageschwister eine geheimnisvolle Rolle die Hände wechselte, in der sich unsere flammende Kriegserklärung an den für einen Tag verlorenen Sohn befand, konnte selbst sein mit Näherrücken des Anpfiffs immer hässlicher werdendes Fortunengesicht meine Siegerlaune nicht mehr trüben.
Irgendwann ereilte ihn dann doch noch mal die Einsicht, sich zu seiner Heimkurve zu verziehen, und ich stellte mich umblickend fest, dass die Hanseln, die mir mit der Tapete helfen wollten, sich gleichfalls in Luft aufgelöst hatten. Pfff, dann eben nicht. Ich also zu den Ordnern, das ganze Ding zwecks Inhaltsprüfung ausgerollt – dumme Gesichter, die sich nach Erläuterung der Zusammenhänge in breites Grinsen auflösten, und ich konnte mit Tapete und ördnerlichem Segen in die Kurve enteilen. Nach prüfendem Blick in die Runde, wen ich denn jetzt mal überzeugen kann, das Ding mit mir zu entrollen, fand ich auch gleich die Richtigsten von allen – meine liebsten Düsseldorfer Exil-Hamburger, die an harmloseren Tagen auch schonmal den D’dorfer Heimblock mit uns teilen, diesmal aber natürlich dort waren, wo sie hingehörten und ich sie grade bestens brauchen konnte. War das eine Wonne, als wir die Spruchband gewordene Verdammnis unseres Lieblingsfortunen entrollten und uns ganz schön gemein vorkommen durften
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Tja, was gibt’s sonst noch zu berichten – wollt Ihr was vom Spiel hören? Das kann nicht euer Ernst sein, Null-Null ging in dieser Situation ja wohl mal gar nicht, weder aus persönlichen noch aus fußballerischen Gründen, und außerdem hab ich in den letzten Tagen soviel Kluges und Dummes darüber lesen müssen, wie Ihr alle sicher auch. Erwartungsgemäß geil natürlich der Auftritt der Fans beider Seiten, von Choreo bis zum gemeinsamen Wechselgesang, die Mannschaften kamen mit uns wieder mal nicht mit – St. Pauli mal ein bisschen besser als zuletzt und Fortuna weiter nachlassend, so dass wir uns in der ergebnistechnisch verhassten Mitte wohl einfach treffen mussten. Naja, Zambrano dann noch mit seinem persönlichen „Scheiss-St.Pauli“ gegen Rösler hätt‘ jetzt so auch nicht sein müssen. Ebenso wenig der unschöne Auftritt zwischen Gästefans und Ordnern nach Abpfiff – von mir nicht weiter zu beschreiben, da ich nicht Zeugin des Auslösers war (und wenn, würds hier nicht hingehören), ich fands einfach nur schade, da ich die Fortunaordner sonst nur in echt nett kenne (hoffe der eine Fiese, den ich sah, war ne versehentliche Ausnahme), und beidseitig weder Testosterongehabe noch Mobbildungen als angenehm empfinden kann, einfach nur ein trauriger Ausklang, das Ganze.
Draußen haben das Fortünchen und ich uns dann wieder gefunden, gemeinsam verbal gekotzt, und wie von Zauberhand – nun ja, wie jedes Mal, wenn wir in derselben Liga spielen. Wir teilen jetzt wieder, notfalls auch die Punkte. Aber nächstes Mal ist dann richtig was los!!!

Tröööt
Irgendwie war es ja schon von vornherein klar, dass die Mutter aller Schlachten erneut auf einen Montag fallen würde. Wurde ich beim Hinspiel vor der Glotze noch mit allen möglichen und unmöglichen Gegenständen eingedeckt, sollte diese Option diesmal dank räumlicher Entfernung wohl ausfallen, einen Kronkorken kann noch nicht mal der stärkste Mafioso 100 Meter weit werfen. Gedisst wurde vorm Spiel natürlich trotzdem. Elas Ankündigung, eine Tapete zu gestalten, wurde meinerseits damit gekontert, dass in der Spritarena dann statt „Das Herz von St. Pauli“ Lotto King Karl zu hören sei, hätte ich diese Idee mal konsequenter verfolgt…
Egal, zuerst hieß es den Heimvorteil zu nutzen und so entführten wir unseren Hamburger Besuch am Samstag ins Linke Zentrum nach Düsseldorf, wo die Kopfballtruppe zur Warm-Up-Party geladen hatte und wir Fortunen selbstredend in der Überzahl waren. Schade, dass so gut wie keine Hamburger vor Ort waren, aber da es auch in D’dorf eine recht ansehnliche St. Pauli-Gemeinde gibt, war es im Endeffekt dann doch kein Geisterspiel mit Gästefanausschluss.
Wer jetzt aber an einen totalen Schmusekurs glaubt, den muss ich leider enttäuschen, denn am nächsten Morgen war meine Fortunatasse auf einmal nicht mehr auffindbar, die Taktik der kleinen Nadelstiche hatte also begonnen, und auch das Kräfteverhältnis sollte sich in den nächsten Stunden rasch zu meine Ungunsten ändern, waren wir doch mit einigen Hamburgern zum Frühschoppen in einem Irish Pub in D’dorf verabredet, um gemeinsam Celtic anzuschauen.
Um wieder etwas sicheren Boden unter den Füßen zu bekommen, wechselten wir nach einigen Guinness, Snakebites usw. die Örtlichkeit und siedelten ins Toni-Turek-Haus am Flinger Broich um, wo die St. Pauli Dartmannschaft meine Fortunen herausgefordert hatte, was allerdings in einem gepflegten Waterloo für Braun-Weiß endete, F95 ist halt einfach nicht zu schlagen.
Nach den St. Pauli Dartcracks streckten auch wir so langsam die Waffen, nur Tröööt war nicht vom Tresen weg zu lotsen, was dann wohl noch in einer Tour der Ruhr ausartete, Fußball und Vernunft sind halt immer noch zwei verschiedene Paar Schuhe.
Der Spieltag begann dann mit einem griechischen Frühstück und unser Besuch begann sich köstlich zu amüsieren, wie ich vor lauter Nervosität keine Sekunde still sitzen konnte, ohne das gewisse Kribbeln würde Fußball nicht halb so schön sein.
Weniger angenehm war die Fahrt zum Stadion, alleine unter 4 (oder waren’s doch 5?) St. Paulianern wurde ich gemobbt bis zum geht nicht mehr, aber wat solls, da musste ich durch, und so schlimm kanns auch nicht gewesen sein, sonst hätte ich das VdS auch nicht vor die Gästekurve verlegt. Vorm Block herrschte auch äußerst herzliche Stimmung, bis auf einmal E. auftauchte und Tröööt eine Tapete in die Finger drückte und flüsternd den anderen den Spruch erzählte.
Nach dieser Kriegserklärung wurde es dann Zeit für mich, die Fronten zu wechseln, um mir im Schoß meiner F95-Family die notwendige Nestwärme abzuholen und der Dinge zu harren, die noch auf mich zukommen würden.
Im Block aufgeschlagen bleiben meine Augen permanent auf die Gästekurve gerichtet und nach ein paar Minuten war es dann so weit: „Zvezi, komm du mir nach Hause, du Eimer voll Kölsch!“

Scheiße, bei so einer Kampfansage konnte ich mir dann ein paar Tränchen nicht verdrücken und wurde umgehend von meinen Mädels mit Tempos versorgt.
Das Spiel hingegen verlief dann eher gemäßigter, im Gegensatz zu dem letzten 0:0 sah man auf Hamburger Seite deutlich mehr Spielkultur und bei der Fortuna den ein wenig gehemmten Spielaufbau, so dass richtige Torchancen absolute Mangelware waren, lediglich die Riesenkulisse von über 47.000 Zuschauern und die „Scheiß-Sport-1“-Wechselgesänge wussten wirklich zu begeistern. Verdient hätte den Sieg im Endeffekt sowieso keiner und so traf man sich nach Spiel noch zu einem Ausklanggetränk, um ein schönes Wochenende würdig zu verabschieden.
Hoffentlich spielen wir nächste Saison wieder in einer Liga, dann gibt’s Revanche an der Tapetenfront!

Dirk