Archiv der Kategorie 'Tour & Spielberichte'

Unwürdige Abschiede

„Wo seid ihr gerade?“ „Wir sitzen an den Landungsbrücken.“ „Okay, bis gleich.“ So am Freitagnachmittag die Anderen im Gruppenchat, während ich in Bonn noch ein paar Stunden arbeiten durfte.

24 Stunden später hatte ich das nasse Nordrhein-Westfalen und etliche volltrunkene Dortmund-Fans hinter mir gelassen und war im schönsten Sonnenschein auf dem Weg zum Saisonabschlussgrillen oberhalb der Elbe. Gemütlich, lecker und rauchig, aber einige Gesichter fehlten. Lag vielleicht auch am angekündigten Kurzauftritt von Deichkind vor der Roten Flora.

Als wir später dort ankamen, war es für meinen Geschmack einfach zu voll. In der Form als Veranstaltung auf jeden Fall ein Erfolg, zumal es auch so wirkte, als würde sich die Polizei zurückhalten, aber mich hat die Menschenmenge zu dem Zeitpunkt nervös gemacht, also individueller Rückzug.
Das Handballspiel war leider ausverkauft, deshalb entschieden wir uns für ein Abendessen in einem uns völlig unbekannten ;-) türkischen Restaurant am Neuen Pferdemarkt . Die Handballgäste des Hamburger Sportvereins haben wir dadurch leider verpasst. Nochmal später ging es für einige von uns dann auf die Party in der Roten Flora, wo wir auf angenehmste Weise die nächsten Stunden verbrachten.
Beim Frühstück Austausch über die nächtlichen Unternehmungen. Gegenüber oberkörperfrei in die Tankstelle war unsere Elektro-Fraktion geradezu harmlos gewesen.

Nach dem obligatorischen Besuch beim Fanladen und für einige von uns auch beim Jolly Roger ab in die Kurve. Im Vergleich zum letzten Saisonende wirkte die Stimmung bei vielen gedämpft, was sicher nicht am Abschied von der Gegengerade lag. Egal, auf welch kompetente Weise der Platz auf dem Zaun gefüllt wird und ganz unabhängig davon, dass ich Stadionverbote generell für ineffektiven Blödsinn halte, macht mich die Strafe des DFB in diesem speziellen Fall noch wütender als sonst. Und die ausbleibende Reaktion unserer Vereinsleitung ist enttäuschend. Aus dem Wunsch heraus, wenigstens irgendetwas zu tun, hatten wir mehrere Spruchbänder vorbereitet. War aber insgesamt ein ganz schöner Tapetenstau in der Kurve. Und wie es scheint, gibt es immer noch Leute, die zwar unbedingt im Mittelblock bei den Ultras stehen wollen, sich aber nicht in der Lage sehen, Bier oder Smartphone mal für einen Moment aus der Hand zu legen um mitzuhelfen eine Tapete auszurollen.

Ehrlich gesagt fällt es mir schwer zu glauben, dass es ein Missverständnis war und angesichts der Internetaffinität bei den Gegengeradlern halte ich die Behauptung, von den aktuellen Stadionverboten für Mitglieder unserer Fanszene nichts gewusst zu haben, für eine Ausrede. So bleibt für mich nur das schale Gefühl einer absoluten Taktlosigkeit, dass auf der Gegengerade versucht wurde ein „Aux armes“ durchzuziehen, während wir noch für die Diffidati sangen (was man im Übrigen selbst bei mangelhafter Akustik an den gekreuzten Armen erkennen kann). Im Grunde war der Spieltag für mich da schon gelaufen. Chance auf die Relegation? Mit einem zerfledderten Kader, dem wichtige Identifikationsspieler fehlen? Dieser rückgratlosen geldgeilen Vereinsleitung? Der Unsicherheit, wie viele SV noch kommen können? Um mich herum hopsten und jubelten sie bei jedem Tor und jedem Spielstand vor Freude, ich wäre am liebsten gegangen. Hab auch wenige Minuten nach dem Abpfiff das Stadion verlassen und kann deshalb nichts zu Nakis und Rothenbachs Abschied sagen.

Es hat eine Weile gedauert runterzukommen. Geholfen hat der Besuch bei Luigi

und die anschließende Mischung aus TrainspottingACInterMailandStreetfighter. Obwohl mich Herr B. Kinski mit seiner Klassifizierung meiner Lieblingsfremdsprache als „Vulgärlatein“ direkt wieder in ein Depressionsloch geschubst hat.

Normalerweise bietet die spielfreie Zeit Raum für Erholung, Pläne schmieden und Vorfreude. Aber diesmal, und da bin ich sicher nicht die Einzige, braucht es eine ganze Menge Energie um nicht in Resignation zu versinken. Umso wichtiger ist in solchen Momenten der Rückhalt einer gut funktionierenden Gruppe und die Hoffnung auf eine effektive Vernetzung der Heimkurve.

Mary Read

Im Osten geht die Sonne auf …

… dies galt es zu überprüfen und so buxierte ich mein Gefährt zunächst ohne nennenswerte Probleme gen Treffpunkt in NRW.
Exakt zum Glockenschlag der 23. machte ich somit unsere kleine, aber sehr feine Abordnung komplett, so dass es pünktlich auf die Bahn gehen konnte.
Leinen los….
Die Fahrt verlief bis auf einige wenige, kurze und klitzekleine Pinkelpausen wirklich reibungslos, wie ich finde.
An dieser Stelle muss ich leider noch kurz einen kleinen Skandal kundtun. Unser Garant, ja ich möchte sogar sagen, unser sicherer Experte in punkto kleine Notdurft regte sich während der gesamten Zeit nicht einmal und wirkte gänzlich tiefenentspannt. Da ist doch was faul, ganz klar. Wohl heimlich ne ganze Packung Granufink Prosta eingeworfen.

Mehr als überpünktlich erreichten wir Hamburg Altona; watt nu ?
Bisher hatte niemand ein Auge zugetan und daran sollte sich zunächst auch nichts ändern.
Also entluden wir das Auto, lauschten diverser Schlagermucke (zu rein wissenschaftlichen Zwecken) und zuppelten schließlich zum Bahnhof.
Wie zu erwarten, war noch nicht viel los. Nach und nach trafen dann aber bekannte und unbekannte Gesichter ein.
Hallo, hallo und hallo.
Für die Weiterfahrt nach Dresden standen zwei Sonderzüge bereit, welche wohl aus einer längst vergessenen Zeitepoche stammen mussten; genaue Zahlen liegen leider nicht vor, Recherchen verliefen im Sande.
Sei es drum, ich mag diese alten Stahlzossen allemal lieber als diese modernen Raumgleiter.
Kurz vor knapp, ja wirklich gaaanz kurz vor Abfahrt stieß dann auch die zweite Abordnung unserer Reisegruppe dazu; wohl Nerven aus Stahlseilen zum Frühstück gehabt ;)

Gut 6 Stunden Fahrt lagen nun vor uns und wollten halt irgendwie genutzt werden. Abwechslung bot sich ja genug und sei es nur der Blick aus dem Fenster und die ernüchternde Einsicht, dass entlang der Strecke durch den Osten gefühlte 50 % aller Gebäude entweder leer stehen oder gar völlig zerfallen sind.

Am Dresdener Hauptbahnhof angekommen, bot sich einem ein Bild, was mich auch jetzt noch wütend und doch auch irgendwie traurig stimmt.
Die Cops boten eine Kulisse, welche sonst nur in diversen ´´ Endzeit – Blockbustern ´´ aus Hollywood konstruiert werden.
Einfach nur bedrohlich und vor allem beängstigend.

Der fixen Idee, den kurzen Weg zum Stadion zu Fuß zurückzulegen, machte Team Green dann auch wie nicht anders zu erwarten, einen fetten Strich durch die Rechnung.
Nach kurzem Soundcheck unter der Brücke war Schluss.
Der Einlass am Stadion war katastrophal und ging nur schleppend vorwärts. „Alles zu eurer Sicherheit“…ich weiß nicht, wie oft ich diesen Unsinn im Laufe des Tages noch vernehmen sollte.
Was soll ich zum Spielgeschehen groß schreiben? Lief alles wie schon dutzende Male zuvor. Schießt du keine Tore, machen es halt irgendwann die anderen.
Die Niederlage war absolut unnötig.
Was war noch? Eine wirklich fette, handwerklich überaus respektable Choreo seitens der Dresdener und die Erkenntnis, dass der eingerichtete Pufferblock gleich neben uns eben so leer war, wie die paar armseligen Nussköppe dahinter.

Ach ja, Dresden hat ne 1A Lautsprecheranlage am Bahnhof; diese beschallte uns dann auch einige dutzend Male mit überaus wichtigem Halbwissen bezüglich der anstehenden Rückfahrt.
Ja, Wiederholung ist wichtig und prägt das zu Erlernende gut ein; ich hab jetzt noch Reste der Ansage in der Hirnrinde festsitzen.
Die Rückfahrt im Zug verlief dann für jeden Menschen anders; für mich in erster Linie sehr lang.

Am Ende gilt mein Dank unseren zwei Fahrern, die unseren Heimweg von Hamburg nach NRW in neuer Rekordzeit sicher zurücklegten und so noch allen von uns eine kleine Mütze voll Schlaf sicherten, ehe die Sonne ein weiteres Mal eben ohne diesen im Osten aufginge.

Dat is Punk, dat raffse nie !

Batti.

Stayin Alive….

Da sich der Lieblings-Mancunian entschlossen hat, früher anzureisen, um am nächsten Morgen gemeinsam Richtung Millerntor zu düsen, verbrachte man den Samstag abend gemütlich bei lecker Essen in der St.Paulianer-Kneipe unseres Vertrauens. Die Polizei Hamburg hat zudem das Gebiet weiträumig um das Millerntor zur Gefahrenzone erklärt. Die ganze Woche gab es mit den unterschiedlichsten Personen Gespräche, keiner wusste, was einen wirklich erwarten würde. Die Klage vom FC St.Pauli wurde vor dem Oberverwaltungsgericht vorerst abgelehnt, somit wurde dem Verein untersagt, Karten an Gästefans zu verkaufen. Hansa-Fans meldeten daraufhin eine Demo in Altona an.

Man entschließt sich diesmal mit dem Personenkraftwagen zu reisen. Anreise per Bahn unter den gegeben Umständen? Ne, lass mal, daher lieber highway to the dangerzone. A1 nervt, auch als Beifahrer. Nach Überholen etlicher Pferdetransporter erreicht man wohlbehalten das Viertel und kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus, als man sieht, was an der Stresemannstraße alles so rum steht. Unglaublich. Der Wagen wird im nahegelegten Parkhaus abgestellt. Auf dem Weg Richtung Fanladen kann man anhand der Präsenz sehr gut erkennen, dass man sich in der Gefahrenzone befindet. Irgendwie ist es heute ein seltsames Gefühl vor dem Spiel, ganz anders als sonst, als wenn man mit Vorfreude auf das Spiel ins Stadion geht. Heute wird Radio gehört. Die Entscheidung stand ziemlich schnell fest. Der Tag zieht sich wie Kaugummi. Die Trauergemeinde zieht friedlich mit Holzkreuz am Jollys vorbei um den Sarg (R.I.P. Fankultur) vor dem Wappen niederzulassen. Es werden Blumen und Grablichter abgelegt.

Mehrere Hundert Fans haben sich vor dem AFM-Container zusammen gefunden um so ihren Protest Ausdruck zu verleihen. Alles ist friedlich. 13:30 Uhr Anpfiff. Aux Armes ertönt auf dem Südkurvenvorplatz. In der 12.ten Minute ertönt im Stadion Jubel, 2 Sekunden später im Radio auch. 1:0 durch Ebbers. Halbzeit. Ein Urlauber soll seine Jacke verloren haben. 2.Halbzeit. Minute 49. Es jubelt das Stadion, 2 Sekunden später das Radio auch wieder. 2:0 wieder durch Ebbers. Song 2 zum zweiten Mal. Ab ca. der 60.ten Minute ein dumpfer Knall aus Richtung Neuer Pferdemarkt. Leute rennen Richtung Jolly, die Polizei positioniert sich, als schweres Gerät die Budapester Straße hochbrettert und alles unter Wasser-Beschuss nimmt, was sich bewegt. Beim Vorbeifahren werden die genervten und dadurch höhnisch klatschenden Personen mit der Durchsage „Ich freue mich auch auf Euch“ vom WAWE 1000 begrüßt. Ein brennender Busch (da wäre Wasser wirklich von Nöten gewesen) findet dagegen keine Beachtung. Bevor sich das Feuer noch mehr ausweitet wird es von einer umstehenden Person gelöscht. Kopfschüttelnd beobachtet man die sinnlose Polizeistrategie (wenn es denn eine gab). Wut, Hilflosigkeit und Unverständnis macht sich in unseren Köpfen breit. Nach kurzer Absprache beschließt man, die Heimreise anzutreten. Der Weg zum Parkhaus wird begleitet von „Machen Sie den Weg frei“ und „Hier dürfen Sie nicht durch“-Kommentaren seitens der Polizei. Bei strömenden Regen fährt man Richtung Süden und bekommt mit, dass Fin Bartels noch das 3:0 erzielt hat. Im Radio trällern die Bee Gees „stayin alive“.

Working Herby

Ach, Fürth.

Das einzig Positive an Auswärtsspielen im Süden ist, endlich mal nicht über 40 km bis zum Treffpunkt fahren zu müssen, sondern zu Hause abgeholt zu werden.

M. hatte dermaßen leckere Brötchen gemacht, dass selbst auf der Rückfahrt niemand den Wunsch äußerte bei einer Fastfoodkette anzuhalten.

Passt schon, wenn man sich auf der linken Spur mit einem lahmarschigen Offroader anlegt und beim nächsten Parkplatz dann auf die Wagenbesatzung trifft. Also erstmal Stärke demonstrieren und einen Laternenpfahl umlegen. Wind aus den Segeln, wenn einer der Fahrer des Offroaders einen dann ganz freundlich anspricht und erzählt, extra fürs Spiel aus Las Vegas zu kommen. Und zum Abschied auch noch Glück wünscht.

Freundliche Bitte vom Fanladen-Mitarbeiter an uns mit der Begründung „ihr seht noch relativ nüchtern aus“.

Weil es eben nicht selbstverständlich ist: die Bereitstellung von Toiletten auf dem Gästeparkplatz, auch wenn es nur Dixies sind.

Die Toiletten hinterm Gästeblock hingegen völlig verunreinigt durch Schmierereien unseres neuen Berliner Lieblingsvereines.

Die Ordnungskräfte schwanken zwischen Erbsenpulerei am Eingang, wo jede Fahne ausgerollt werden muss (Danke an A.) und Hilfsbereitschaft im Block, wo sie beim Banner befestigen helfen.

Das Publikum – arrrrgh. Schlimmer als junge Pauli-Paaadies mit gestörter Motorik finde ich aber ältere Besserwisser, deren Support sich auf Brutalpogo beschränkt.

Hatte wirklich jemand von euch damit gerechnet, dass wir in Fürth gewinnen? Letztes Mal haben wir 3 Punkte mitgenommen, den Aufstieg klar gemacht und den Platz gestürmt. War doch klar, dass es für uns diesmal nicht so laufen würde. Diesmal ist Fürth dran.

Deren Platzsturm fiel wohl aus, weil rein rechnerisch der Aufstieg eben noch nicht sicher ist.
Horidos 1000 & Co. auf jeden Fall durchgängig gut zu hören und durch konstanten Fahneneinsatz auch optisch präsent. Warum es nach der Pyro-Einlage zu Gerangel kam? War vielleicht nicht abgesprochen gewesen.

Sympathisch auf jeden Fall, dass unserem Gästeblock eine ganze Fotostrecke gewidmet ist und nicht nur das obligatorische eine Bild zum Ende der Spieltagsfotos. Die Blockfahne ist aber auch einfach nur schön und weckt den Wunsch nach einem erneuten Besuch in Terni.

Mary Read

P. S.: @J. G.: Tut mir leid wegen der Sache mit dem Osterhasen – aber irgendwann musstest du es ja mal erfahren.

Un‘ autre tribune terrible

Einem geschenkten Gaul usw. usf., aber der 1. FC Köln-Aufkleber auf dem von M.s Bruder geliehenen Wagen musste erstmal überklebt werden, bevor wir uns am späten Donnerstagnachmittag in Richtung Lüttich aufmachen konnten. Draußen prasselten Regen und Hagel, drinnen ploppte es. Das Navi war anderer Meinung als wir, aber um eine erneute unfreiwillige Stadtrundfahrt zu vermeiden, gehorchten wir. Da wir mit „Warm FM“ einen Radiosender mit feinem Electro gefunden hatten, machte es sogar Spaß sich vom Navi durch die Stadt und 2mal? 3mal? über die Maas leiten zu lassen um schließlich in die mittlerweile vertraute Rue Ernest Solvay einzubiegen.

Vor der Cosa erhielten wir unsere Karten, für die N. kein Geld sehen wollte. Was es mit dem Aufdruck „Les Ultras“ auf sich hat, weiß ich (noch) nicht, stelle mir aber nur vor, wir hätten für unsere Heimkurve ein Kontingent Karten, auf denen „Die Ultras“ stünde. Das wäre Vertrauensbeweis und Anerkennung gleichermaßen und würde helfen, Diskussionen zu entschärfen und Probleme zu vermeiden.

Neben einer wieder sehr interessanten Unterhaltung mit korrekten Aachener_innen war Zeit genug für Klönschnack, der hier immer 3-sprachig abläuft. Aber eine gute halbe Stunde vor Anpfiff wurden wir immer nervöser, während N. und R. immer noch keine Anstalten machten, in Richtung Stadion aufzubrechen. Endlich setzten wir uns in Bewegung, und nachdem der Inhalt der Spruchbänder vor dem Einlass nicht nur gelesen, sondern über Funk durchgegeben und genehmigt worden war, ging es auf die Tribüne.

In älteren und unprätentiösen Stadien wie Terni oder Sclessin meine ich die Diskrepanz zwischen dem Fußball, wie wir ihn leben (wollen) und der in seelenlosen Konfektionsspielstätten von DFB und DFL verantworteten Kommerzkacke fast schon körperlich zu spüren. Natürlich habe ich aus der naiven Perspektive des Gastes keine Ahnung von etwaigen Problemen mit Verein oder anderen Fangruppen und kann nur vermuten, dass der Ärger über die Supportqualität in der Heimkurve ähnlich ist wie bei uns – aber mit den Leuten von UI dort zu stehen und so gut es eben geht mitzusingen fiel fast schon leichter als manchmal bei unserem eigenen Support in so emotionsabtötenden Arenen wie München oder Aachen.

Freundschaft hin oder her, aber wirklich gut hat das Standard-Team meiner Ansicht nach nicht gespielt. Nachdem Standard in der 2. Halbzeit nach Elfmeter durch Tchité in Führung ging, fiel uns sehr angenehm auf, dass beim Torjubel keine Getränke durch die Gegend flogen. So wie man ohnehin niemanden sah, der sich mit Bierbechern oder Würstchen durch die Menge quetschte. Lediglich in der Halbzeitpause wurden Chips und Kekse herumgereicht.

Die 7 Minuten Nachspielzeit empfanden wir schon als heftig. Ich hasse Nachspielzeiten ohnehin, weil das in der Regel für uns nicht gut ausgeht. Na ja, und in der 4. Nachspielminute erzielte Brügge dann den Ausgleich, was natürlich der ollen homophoben Koksnase als Verdienst angerechnet werden wird.

Zum Trost auf der Fressmeile die guten belgischen Fritten geholt und nach ausführlicher Verabschiedung vor der Cosa die Heimfahrt angetreten.

Merci beaucoup aux Ultras Inferno 1996 pour la vôtre hospitalité!

Ich hoffe, wir können uns bald revanchieren und sehen uns spätestens beim Antira wieder.

Mary Read

Was vom Tage übrig blieb?! „Scheiß Union“!

Mir sitzt die Redaktion im Nacken und durch die „Englische Woche“ blieb auch nicht viel Zeit was Erbauliches zu schreiben. Dienstag Millerntor, Donnerstag Lüttich, Freitag Fürth.

Bislang war mir Union eher egal und die Ausflüge in die „Alte Försterei“ wurden als angenehm verbucht. Dass Union auch komische Leute beherbergt, war bekannt und weniger schön. Aber was sich rund um unser Heimspiel gegen Union abgespielt hat, ist nicht akzeptabel.

Aber von vorne: wir erreichten das Viertel gegen 14:30 Uhr und die Parkplatzsuche führte uns auf Grund des Doms etwas abseits, so dass wir einen kleinen Fußweg ins Viertel zurücklegen mussten. Eigentlich kein Problem, da wir ja nicht gerade mit offenen Farben rumlaufen. Da noch Zeit war, beschlossen wir etwas essen zu gehen, bevor es zum Fanladen ging. Alles verlief wie immer, die Laune war gut. Die paar Unioner, die sich Nähe des Millerntors rumtrieben, machten einen harmlosen Eindruck und waren der „Kategorie A“ zuzuordnen. Nach der kleinen Stärkung liefen wir zum Fanladen und gingen unseren Geschäften nach, was Mafiosi halt so machen. Kurz nach 16 Uhr machte sich dann eine Kleingruppe auf den Weg um unser Material zu holen, alles war recht entspannt.
Auf dem Weg kamen wir an der U-Bahnstation Feldstr. vorbei und in Anbetracht der dort anwesenden Klientel beschlossen wir, auf dem Rückweg zur Kurve dort nicht mehr längs zu laufen. Da Dom war, wurde kurz diskutiert, ob wir ganz außen ums Heiligengeistfeld rumlaufen oder ein kurzes Stück über den Dom gehen. Man entschied sich dafür den kurzen Weg zu nehmen, da jetzt auch etwas die Zeit drängte und auf dem Dom immerhin genug Leute sein würden. (**)
Gerade die erste Kurve auf dem Dom genommen, passierten wir eine Gruppe von ca. 15 Leuten, die nichts Gutes verhießen, FUCK! Da Zurückgehen in dieser Situation nichts gebracht hätte, stiefelten wir einfach an denen vorbei, auch im Bewusstsein, dass es eine unschöne Kiste werden würde und verteilten uns etwas. Die Gruppe verfolgte uns und war fleißig am telefonieren, die Helden brauchten wohl noch Verstärkung. Als sie uns dann eingeholt hatten, fielen Worte wie „Sankt Pauli Juden“, „Ihr gehört nach Ausschwitz“ oder „Ihr gehört ins KZ“ sowie „Scheiß Zeckenpack“ und natürlich: „Wir wollen eure Sachen!“ Antwort: „Ihr bekommt gar nichts!“
So ging das Blabla hin und her, Matchangebot von einem Stadionverbotler inklusive, ohne dass wir stehen blieben. Irgendwann, wir waren schon fast vom Dom runter, kam der Spruch „Jetzt machen wir euch fertig, guckt mal nach vorne“ und in der Tat, von vorne kamen dann auch noch ein paar Leute. Nun war es endlich ne faire Sache, 20 gegen 4, ganz großes Kino.
Als die Boxerei dann los ging durfte sich jeder mit 3-4 Leuten gleichzeitig beschäftigen, während 3 Leute das Material schützten. Klar, dass man dann kassiert, aber ganz ohne Treffer für die Heldentruppe von Union ging es nicht ab! Und was habt ihr erbeutet? 1 Schal und 1 Flexkappe ohne Button oder Emblem! Und dann schön laufen gehen! Wünschen euch viel Spaß bei euren Heldengeschichten! Unsere körperlichen Schäden waren überschaubar und unsere Fahnen haben ALLE den Weg ins Stadion gefunden. Respekt an die Unionsspacken, der Punkt ging an euch! Ha Ha Ha Ha Ha!

WARUM SCHREIBE ICH DAS ÜBERHAUPT AUF DEN BLOG ?
Um irgendeiner Legendenbildung vorzubeugen! Wir alle wissen, dass „Abziehen“ in 99,9 % aller Fälle niemals fair ist. Und wer glaubt, er wäre jetzt der Held oder ihr wärt eine besonders „böse“ Truppe, der macht sich einfach nur lächerlich! Tatsache ist: wäre eure Truppe auf eine gleich große Gruppe von uns gestoßen, hättet ihr kräftig kassiert und nichts klauen können! Ihr Möchtegern-Nazi-Hool-Scheißer!

Zum Spiel: schöne Schalparade am Zaun! Die Sachen dürften wohl ähnlich die Besitzer gewechselt haben wie in der beschrieben Situation. „Respekt“! Ach ja, die 3 Punkte sind im Millerntor geblieben!

EISERN SANKT PAULI!!!

** Die Bürgers auf dem Dom haben übrigens schön Platz gemacht, als wir angegriffen wurden. Geholfen hat niemand.

Nachtrag:
Dieser Text entspricht vom Inhalt und vom Stil her nicht dem, was ihr üblicherweise von unserem Blog her kennt. Er ist aus einer besonderen Situation heraus entstanden und wir hoffen natürlich, dass so etwas nicht mehr vorkommen wird. Auf Bitten des FCSR, der so freundlich war, uns persönlich anzusprechen, haben wir einen Satz heraus genommen, der missverstanden werden könnte.
Sankt Pauli Mafia

FSV ist der große Verein in Frankfurt

Endlich mal wieder ein Samstagsspiel und das sogar mal in unmittelbarer Nähe.
Also hieß es mit dem Zug nach Frankfurt. Um kurz vor 8 traf sich eine kleine Reisegruppe von 4 Personen am Bahnhof. Am 1. Umstiegsort hatten wir direkt mal 10 Minuten Verspätung, was hieß, dass wir den Anschlusszug in Koblenz nicht bekommen würden. Dennoch rannten wir durch den Bahnhof um vielleicht noch mit etwas Glück den Zug nach Frankfurt zu bekommen. Im Bahnhof direkt mal ein Aufgebot von Team Grün und ich hatte keine Ahnung warum. Für uns? Wohl kaum.

Am Bahnsteig angekommen, festgestellt dass der Zug weg ist und wir eine Stunde warten müssen. Aber es trifft sich ein ganz beschauliches Grüppchen Zugreisender Sankt Pauli Fans.
Nach 10 Minuten Warten kam dann eine Gruppe Polizisten in Kampfausrüstung aufs Gleis und hat uns gebeten einen anderen Zug zu nehmen, weil ja hier in Koblenz gleich 600 Eintracht Fans umsteigen müssten. Nach ein wenig Diskussion durfte dann die komplette Reisegruppe den IC nach Mainz nehmen. Also doch noch ein bisschen luxuriös reisen. Die Familie mit den Kiddies, die dort saß, war auch sehr angetan.
In Mainz angekommen, direkt die S-Bahn nach Frankfurt genommen. Nach knapp einer Stunde Bummelzug mussten alle auf Toilette, was sich mit lauten „Toilette Toilette“-Rufen am Frankfurter HBF kundtat. Dort dann die Notdurft verrichten und ab in die U-Bahn. Noch einmal Umsteigen und schon war es da. Das Stadion des FSV. Irgendwie ja.. ähm wie soll ich sagen. Im Umbau!
Einen Spaziergang ums Stadion musste es noch geben, da die U-Bahn-Station nicht gerade am Gästeeingang liegt. Vor der Heimkurve der Frankfurter war aber auch nix zu sehen, also alles ganz entspannt. Im Gästeblock angekommen, alle begrüßt und das Spiel konnte losgehen. Aber ich hab da irgendwie nen Filmriss, wie ist das Ganze ausgegangen? 3:3?

Nach dem Spiel die Reisegruppe zusammengesucht und wieder ging es Richtung S-Bahn Station. Wieder an der Heimkurve vorbei, aber wieder niemand zu sehen, irgendwie alles wie leergefegt. Mit der S-Bahn zurück nach Mainz, wo wir eine Stunde Aufenthalt hatten. Eine echt sehr sehr langweilige Stadt. In die Bahn nach Koblenz, 1 ½ Stunden hieß es noch.
In Bingen dann wieder Polizei, die den Zug aufhielt. Ein paar aufgepumpte Anabolika-Typen sind in den Zug gestiegen, so Pitbull Germany Fraktion, fand ich sehr amüsant. Eine Fantrennung im Zug, weil nen paar von Inferno Koblenz wohl in den Zug gestiegen sind. Aber bis auf die 2, die zu uns kamen und nen Bier mit uns geschlürft haben, gab es da nix zu berichten. Als wir in Koblenz ausgestiegen sind, war unsere Reisegruppe wieder auf 8 Leute geschrumpft und die Polizei hat uns am Gleis mit 15 Leuten „geschützt“, weil dort 10 Koblenz-Fans vorbei gegangen sind. Die Reisegruppen haben sich dann wieder in ihre Richtungen aufgeteilt und wir haben dann noch zu 3 eine 5 Personen starke Polizeibesatzung mit in den Zug bekommen, zu unserer Sicherheit. Gegen 20 Uhr war die Reise dann auch beendet. War ein anstrengender, aber trotzdem irgendwie schöner Tag.

Dickes B

Und täglich grüßt die Derby-Absage

Es ist Mittwoch, der 04.04.2012, als der Wecker um 7:30 Uhr klingelte und man sich ein weiteres Mal auf nach Hamburg macht. Denn heute soll endlich das lang ersehnte Derby zwischen der U23 des FCSP gegen die Amateure der Vorstadt stattfinden. Nach zwei Absagen wegen Unbespielbarkeit des Platzes freute man sich auf diesen Tag.

Als wir dann im Zug uns einen Platz gesucht hatten, stellten wir auf der Fahrt fest, dass die 3 Leute im Vierer neben uns anscheinend Zivi-Cops waren! Beim ersten Halt ist dann auch noch ein Cop in Uniform in unsern Waggon gestiegen und da dachten wir, na toll, das fängt ja gut an!

Nachdem wir dann in Hamburg angekommen waren, ging es via U-Bahn in Richtung Stadion. Wo wir dann auch gleich zum Kartencenter gegangen sind und eine seltsame Person dort gesehen haben, der eine Karte für das Fürth-Spiel gekauft hat, weggegangen ist, aber nach ein paar Metern drehte sich diese Person um, um noch mal zum Schalter zu gehen. Jetzt fragte er nach Rostockkarten, die es aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht gab und so ist er dann ganz weg gegangen.
P.S: die Person, um die es hier ging, war einer von den “netten” Hamburger Ordnungshütern in seiner Dienstkleidung.

Nach einer kleinen Stärkung ging es dann zum Fanladen, um von dort aus mit USP einen Derbymarsch zur Süd zu machen (welcher auch sehr gelungen war)! In der Süd angekommen wurde erst mal das mitgebrachte MAFIA Banner aufgehängt!
Dann suchte man sich einen schönen Platz im Sitzplatzbereich, obwohl man Steher hatte.

Der Sitzplatz erwies sich auch bei diesem kalten Wetter als Glücksgriff.
Nun dann war Warten angesagt, da es einen sehr großen Andrang an den Kassen gab.
Deshalb wurde das Spiel 15min später angepfiffen .

Infos zum Spiel könnt ihr ja bei den bekannten Seiten ablesen.

Beim Einlauf zur zweiten Halbzeit wurde im Block der Heimfans gezündet . ;-)

Die “Gästefans” waren bis auf die letzten 10 Minuten sehr leise !
Nach dem Spiel machten wir uns direkt auf dem Heimweg zum Bahnhof um zügig den Zug zu bekommen.

Bei unserem Umstieg in Bremen stieg unser netter “Freund” von morgens aus dem Zug mit seiner Uniform bei uns wieder mit ein.
2 Stationen nach Bremen stieg der nächste Cop mit Handschellen und Kabelbindern zu uns ins Abteil. Und wir fühlten uns gleich wieder „sicher“ …

Alles in allem war es mal wieder ein gelungener Tag, ohne Stress aber mit einem schönen Derbysieg und ner Menge “neuer Freunde “.

HURRI & SPIKÝ

F95 vs. FCSP

Vier Fäuste für ein Null zu Null oder: „Mit dem Arsch soll ich Punkte teilen??“

Ja, Mensch, nee, von Spielzeit zu Spielzeit muss es sich ja eben doch immer mal wieder rächen, dass ich seinerzeit diese unselige Mesalliance mit einem Fortunen eingegangen bin, der zwischenzeitlich schon zu so einer Art Millerntormaskottchen mutiert ist und aus mir vollkommen unverständlichen Gründen eine besondere Zuneigung der SPM genießen darf, die schon an Verhätschelung grenzt. Seit neun Jahren trottet er nun schon immer brav an meiner Seite zu den Spielen des FCSP und ich genauso brav mit ihm zu den Rotweißen, was zwar ne verdammt zeitraubende und auch finanziell anstrengende Angelegenheit ist, aber sonst würden wir uns ja auch irgendwie nur noch aus fahrenden Zügen zuwinken statt ne Beziehung zu führen.
Eines aber war immer klar: Partnerlook steht uns überhaupt nicht, und wenn Begegnungen zwischen unseren jeweiligen Herzblutvereinen anstehen, dann ist Schluss mit lustig und Kuscheln aber so was von vorbei!! Das bedeutet im Schnitt eine Woche knallgrüne Sprechblasen, Gedisse bis der Chefarzt kommt und geteiltes Leid kommt genauso wenig in Frage wie geteilte Punkte, ha, das wäre ja noch schöner. Dachte ich jedenfalls.
Naja, ähnliches dachte sich wohl auch die Redaktions-Mafiosa, die einem guten Zoff nie abgeneigt ist, so dass Ihr heute gleich zwei Spielberichte aus gegnerischen Kurven nebst unserem unehelichen Ehekrach verdauen dürft, beschwert euch bei ihr ;o)

Und ich gab mein Bestes. Schon in der Nacht zu Samstag wurden heimtückisch sämtliche Frühstückseier mit Jolly Rogern bemalt und die fiese Fortuna-Kaffeetasse im hintersten Schrankwinkel versteckt, Tags drauf dann die Wohnung (mein Heimvorteil) mit Hamburger Penngästen besetzt, so dass für mein Fortünchen erstmal harte Zeiten anbrachen, die übers Wochenende dank des nach und nach anreisenden Auswärtssupports auch nicht leichter für ihn werden sollten. Aber da ich schon einen Blick in den ausführlichen Bericht meines Gegenparts geworfen habe, lasse ich die weiteren Stationen unser Wochenendtournee hier aus, um euch Wiederholungen zu ersparen (und erspare mir selbst, an dieser Stelle einflechten zu müssen, dass ich natürlich wieder in der S-Bahn eingepennt bin, aber da häng ich doch lieber eine Nacht in Wattenscheid-Höntrop tot überm Zaun, als den Vorabend der Entscheidungsschlacht in der Gesellschaft eines Fortunen verbringen zu müssen, so sieht‘s nämlich aus!!!)

Okay, wir sind dann also mit alle Mann und Frau am Montag mehr oder weniger geschreddert mit der Straßenbahn von Duisburg zur Düsseldorfer Spritarena gegondelt, haben’s ihm unterwegs nochmal kräftig gegeben, was ihn aber nicht hindern konnte, das freundliche Angebot eines Fortunen, unserm Trupp den Weg zum Gästeeingang zu zeigen, empört zurückzuweisen, da er doch schließlich unser persönlicher Geleitschutz sei. Okay, wurden wir den alten Schleimer also immer noch nicht los, sondern schleiften ihn noch bis zum Eingang Nordost mit, wo er zu meiner Verbitterung auch noch die freundlichste Begrüßung erfuhr, anstatt endlich mal eins auf die Nase zu kriegen. Na gut, mein Kater hatte sich inzwischen aber auch schon längst in Spieltagskribbeln und Wiedersehenseuphorie aufgelöst, und als dann noch mit dem Erscheinen der Mafiageschwister eine geheimnisvolle Rolle die Hände wechselte, in der sich unsere flammende Kriegserklärung an den für einen Tag verlorenen Sohn befand, konnte selbst sein mit Näherrücken des Anpfiffs immer hässlicher werdendes Fortunengesicht meine Siegerlaune nicht mehr trüben.
Irgendwann ereilte ihn dann doch noch mal die Einsicht, sich zu seiner Heimkurve zu verziehen, und ich stellte mich umblickend fest, dass die Hanseln, die mir mit der Tapete helfen wollten, sich gleichfalls in Luft aufgelöst hatten. Pfff, dann eben nicht. Ich also zu den Ordnern, das ganze Ding zwecks Inhaltsprüfung ausgerollt – dumme Gesichter, die sich nach Erläuterung der Zusammenhänge in breites Grinsen auflösten, und ich konnte mit Tapete und ördnerlichem Segen in die Kurve enteilen. Nach prüfendem Blick in die Runde, wen ich denn jetzt mal überzeugen kann, das Ding mit mir zu entrollen, fand ich auch gleich die Richtigsten von allen – meine liebsten Düsseldorfer Exil-Hamburger, die an harmloseren Tagen auch schonmal den D’dorfer Heimblock mit uns teilen, diesmal aber natürlich dort waren, wo sie hingehörten und ich sie grade bestens brauchen konnte. War das eine Wonne, als wir die Spruchband gewordene Verdammnis unseres Lieblingsfortunen entrollten und uns ganz schön gemein vorkommen durften :D .

Tja, was gibt’s sonst noch zu berichten – wollt Ihr was vom Spiel hören? Das kann nicht euer Ernst sein, Null-Null ging in dieser Situation ja wohl mal gar nicht, weder aus persönlichen noch aus fußballerischen Gründen, und außerdem hab ich in den letzten Tagen soviel Kluges und Dummes darüber lesen müssen, wie Ihr alle sicher auch. Erwartungsgemäß geil natürlich der Auftritt der Fans beider Seiten, von Choreo bis zum gemeinsamen Wechselgesang, die Mannschaften kamen mit uns wieder mal nicht mit – St. Pauli mal ein bisschen besser als zuletzt und Fortuna weiter nachlassend, so dass wir uns in der ergebnistechnisch verhassten Mitte wohl einfach treffen mussten. Naja, Zambrano dann noch mit seinem persönlichen „Scheiss-St.Pauli“ gegen Rösler hätt‘ jetzt so auch nicht sein müssen. Ebenso wenig der unschöne Auftritt zwischen Gästefans und Ordnern nach Abpfiff – von mir nicht weiter zu beschreiben, da ich nicht Zeugin des Auslösers war (und wenn, würds hier nicht hingehören), ich fands einfach nur schade, da ich die Fortunaordner sonst nur in echt nett kenne (hoffe der eine Fiese, den ich sah, war ne versehentliche Ausnahme), und beidseitig weder Testosterongehabe noch Mobbildungen als angenehm empfinden kann, einfach nur ein trauriger Ausklang, das Ganze.

Draußen haben das Fortünchen und ich uns dann wieder gefunden, gemeinsam verbal gekotzt, und wie von Zauberhand – nun ja, wie jedes Mal, wenn wir in derselben Liga spielen. Wir teilen jetzt wieder, notfalls auch die Punkte. Aber nächstes Mal ist dann richtig was los!!!

Tröööt

Irgendwie war es ja schon von vornherein klar, dass die Mutter aller Schlachten erneut auf einen Montag fallen würde. Wurde ich beim Hinspiel vor der Glotze noch mit allen möglichen und unmöglichen Gegenständen eingedeckt, sollte diese Option diesmal dank räumlicher Entfernung wohl ausfallen, einen Kronkorken kann noch nicht mal der stärkste Mafioso 100 Meter weit werfen. Gedisst wurde vorm Spiel natürlich trotzdem. Elas Ankündigung, eine Tapete zu gestalten, wurde meinerseits damit gekontert, dass in der Spritarena dann statt „Das Herz von St. Pauli“ Lotto King Karl zu hören sei, hätte ich diese Idee mal konsequenter verfolgt…

Egal, zuerst hieß es den Heimvorteil zu nutzen und so entführten wir unseren Hamburger Besuch am Samstag ins Linke Zentrum nach Düsseldorf, wo die Kopfballtruppe zur Warm-Up-Party geladen hatte und wir Fortunen selbstredend in der Überzahl waren. Schade, dass so gut wie keine Hamburger vor Ort waren, aber da es auch in D’dorf eine recht ansehnliche St. Pauli-Gemeinde gibt, war es im Endeffekt dann doch kein Geisterspiel mit Gästefanausschluss.

Wer jetzt aber an einen totalen Schmusekurs glaubt, den muss ich leider enttäuschen, denn am nächsten Morgen war meine Fortunatasse auf einmal nicht mehr auffindbar, die Taktik der kleinen Nadelstiche hatte also begonnen, und auch das Kräfteverhältnis sollte sich in den nächsten Stunden rasch zu meine Ungunsten ändern, waren wir doch mit einigen Hamburgern zum Frühschoppen in einem Irish Pub in D’dorf verabredet, um gemeinsam Celtic anzuschauen.

Um wieder etwas sicheren Boden unter den Füßen zu bekommen, wechselten wir nach einigen Guinness, Snakebites usw. die Örtlichkeit und siedelten ins Toni-Turek-Haus am Flinger Broich um, wo die St. Pauli Dartmannschaft meine Fortunen herausgefordert hatte, was allerdings in einem gepflegten Waterloo für Braun-Weiß endete, F95 ist halt einfach nicht zu schlagen.
Nach den St. Pauli Dartcracks streckten auch wir so langsam die Waffen, nur Tröööt war nicht vom Tresen weg zu lotsen, was dann wohl noch in einer Tour der Ruhr ausartete, Fußball und Vernunft sind halt immer noch zwei verschiedene Paar Schuhe.

Der Spieltag begann dann mit einem griechischen Frühstück und unser Besuch begann sich köstlich zu amüsieren, wie ich vor lauter Nervosität keine Sekunde still sitzen konnte, ohne das gewisse Kribbeln würde Fußball nicht halb so schön sein.
Weniger angenehm war die Fahrt zum Stadion, alleine unter 4 (oder waren’s doch 5?) St. Paulianern wurde ich gemobbt bis zum geht nicht mehr, aber wat solls, da musste ich durch, und so schlimm kanns auch nicht gewesen sein, sonst hätte ich das VdS auch nicht vor die Gästekurve verlegt. Vorm Block herrschte auch äußerst herzliche Stimmung, bis auf einmal E. auftauchte und Tröööt eine Tapete in die Finger drückte und flüsternd den anderen den Spruch erzählte.
Nach dieser Kriegserklärung wurde es dann Zeit für mich, die Fronten zu wechseln, um mir im Schoß meiner F95-Family die notwendige Nestwärme abzuholen und der Dinge zu harren, die noch auf mich zukommen würden.
Im Block aufgeschlagen bleiben meine Augen permanent auf die Gästekurve gerichtet und nach ein paar Minuten war es dann so weit: „Zvezi, komm du mir nach Hause, du Eimer voll Kölsch!“

Scheiße, bei so einer Kampfansage konnte ich mir dann ein paar Tränchen nicht verdrücken und wurde umgehend von meinen Mädels mit Tempos versorgt.
Das Spiel hingegen verlief dann eher gemäßigter, im Gegensatz zu dem letzten 0:0 sah man auf Hamburger Seite deutlich mehr Spielkultur und bei der Fortuna den ein wenig gehemmten Spielaufbau, so dass richtige Torchancen absolute Mangelware waren, lediglich die Riesenkulisse von über 47.000 Zuschauern und die „Scheiß-Sport-1“-Wechselgesänge wussten wirklich zu begeistern. Verdient hätte den Sieg im Endeffekt sowieso keiner und so traf man sich nach Spiel noch zu einem Ausklanggetränk, um ein schönes Wochenende würdig zu verabschieden.
Hoffentlich spielen wir nächste Saison wieder in einer Liga, dann gibt’s Revanche an der Tapetenfront!

Dirk

Niemand siegt am Millerntor…….


Samstagabend kurzer Abstecher mit unserem Lieblings-Mancunian ins grandiose Hotel der Stadt bei Bier und Lufthansa. Die Reisegruppe zum Heimpiel gegen den Stern des Ostens wird spontan vergrößert. 
Der Wecker klingelt früh, die Zeitumstellung ist ein Arsch. Dusche, Kaffee und ein Minifrühstück im Stehen lassen einen sich nur halb so scheiße fühlen. Nachdem die Reisegruppe komplett ist, fährt man Richtung Norden. 1 x mal kurz umsteigen, noch schnell Verpflegung und Getränke für die Restroute, dann fährt der Zug los.

Man wählt das Fahrradabteil, auch ohne Fahrrad. Anhand der vorbei huschenden Streetart-Kunstwerke kann man immer wieder erkennen, wo man sich gerade befindet. Der Toilettenbesuch gestaltet sich zur echten Herausforderung, da die elektrische Schiebetür nicht zur Ruhe kommt. Für manche ist der leuchtende rote Knopf einfach zu verlockend. Die Tür öffnet sich regelmäßig in bester Geh-aufs-Ganze-Manier, nur dass dahinter kein niegelnagelneues Moped oder der neue Fernsehsessel mit höhenverstellbarer Fußlehne steht. Jörg Draeger hätte seine pure Freude.
Man hört die Schaffnerin: “ Wenn Sie das Bier nicht gleich entsorgen, dann schmeiß ich Sie raus und rufe die Polizei, da habe ich kein Problem mit.“ Ein biertrinkender Typ mit Waldfrieden-Festival-T-shirt verschwindet hinter Tor 1 und kommt mit leeren Bierflaschen wieder raus. Man wird kontrolliert. Auf die Frage wo die Person mit dem weiteren Gruppenticket ist, antwortet man „Auf dem Klo im anderen Abteil“. „Den schnapp ich mir!“. Die Schaffnerin spurtet über den Oberrang Richtung Toilette ins andere Abteil. Keine 5 Minuten später kommt die gesuchte Person mit dem fehlenden Ticket und ohne Kontrolle. Tor 1 geht wieder weiter auf und zu.

Ankunft in Hamburg, kurze S-Bahn-Fahrt und kurzer Fußmarsch Richtung Fanladen. Man hält wie immer den üblichen Schnack bei Mate und Frühlingssonne und trifft nach kleinem Currywurst-Stopp in der Süd ein. Der Cottbus-Block macht sich durch ein originelles „Scheiß-St.Pauli Scheiß-St.Pauli“ bemerkbar. 


13:30 Uhr, Hells Bells ertönt, die Südkurve versinkt in Konfetti. Es gibt eine Chroeo gegen die geplante Polizeiwache in der neuen Gegengerade. „HSV is Kult“ heißt es auf der alten Gegengerade. Bei dem Banner aus dem Gästeblock kann man einfach nur kotzen!!! 


Anpfiff, Marius Ebbers wieder von Anfang an. St.Pauli startet schwungvoll und hat bereits in Minute 2 eine gute Chance. Kruse Schuss wird abgeblockt und Fabian Boll versucht es mit einem Lupfer, doch Kirschbaum lenkt den Ball über die Latte. Auf der Gegenseite hat Bittencourt die Gelegenheit aus 15 Metern vorbei. Dann passierte erstmal lange nichts. Einige Reihen über uns wird ein Mädel von einem total besoffenen Typen mit Bier vollgeschüttet. Der Typ ist so besoffen, dass der von seinem Kumpel rausgebracht wird. 
In der 32.Minute zieht Funk ab, doch wieder reagiert Kirschbaum. Keine 3 Minuten später verzieht Ebbers nach einer Lupfervorlage von Funk knapp übers Tor. In der 39. Minute fälscht Ziebig im Kopfballduell mit Thorandt den Ball mit der Hand ab. Ich habe es im Stadion nicht gesehen, in der Wiederholung war es klar zu erkennen. Elfmeter ist, wenn der Schiedsrichter pfeift. Der pfeift dann auch, allerdings 6 Minuten später, und zwar zur Halbzeit. 



Seit dem Spiel in Paderboring habe ich zur Pause deren Halbzeit-Melodie im Kopf: „
Halbzeit – ich bin bereit, Halbzeit – die Party steigt, 2.Halbzeit Hallo, ich muss auf Klo…“ oder so ähnlich. Ich frag mich wer sich so was ausdenkt und ob man das ernst meint? 



2.Halbzeit läuft, es passiert nichts. 
Schönes Wetter – mittelmäßiges Spiel. Es dauert bis zur 77.Minute, bis Fin Bartels einen abgewehrten Ball genau vor die Flinte bekommt, allerdings verzieht er knapp am Tor vorbei. Kurz vor Schluss hatte Kruska von Cottbus nochmal per Freistoß die Möglichkeit, doch auch er verzieht knapp. Dann war Schluss. Immer noch tolles Wetter und ein überflüssiges Unentschieden, was absolut zu wenig ist. Passend zum Spiel bin ich gedanklich wieder bei Jörg Draeger und der Melodie vom Zonk.

Enttäuscht verlassen wir das Stadion und machen uns auf Richtung HBF. 

Man deckt sich mit Getränken und Verpflegung für die Rückfahrt ein. Die Reisegruppe ist stark dezimiert, da ein Teil noch an den Elbstrand geht. Der Zug fährt ab. Man schnackt über das Spiel und tauscht das Erlebte aus. Dabei stellt sich heraus, dass der Besoffski aus dem Block dem Mädel kein Bier über die Jacke geschüttet hat. Er hat dem Mädel anscheinend von hinten auf die Jacke gekotzt. Wie schlimm ist das denn? Sowas macht mich fassungslos.

Die Spielvereinigung Fürth (ein Typ mit Trainerjacke von der Spvgg Fürth) stolpert durch den Zug, mit fragenden Blick, wo er denn hier gelandet ist. Hm….verfahren? Nach kurzem Umstieg erntet man noch ein paar böse Blick und dumme Sprüche von den „sogenannten Fans“ und kommt gegen Abend wohlbehalten zu Hause an. 



Apassionata-Dan