Archiv für Januar 2016

ProFans fordert Gleichbehandlung von Fans und Funktionären

ProFans - OHNE UNS KEIN KICK!

Pressemitteilung

ProFans fordert Gleichbehandlung von Fans und Funktionären – Unschuldsvermutung gilt nicht nur für Wolfgang Niersbach, Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt

Berlin, 23. Januar 2016

Seit seiner Gründung kritisiert das Fanbündnis ProFans die Anwendung von Stadionverboten und fordert die Unschuldsvermutung für Fans wie auch für Funktionäre. Ein besonders schillernder Fall der Ungleichbehandlung durch Vereine und Verbände zeigt sich an den Ermittlungsverfahren gegen die Herren Niersbach, Zwanziger und Schmidt wegen Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall.

Alle Vereine und die Verbände haben sich in den „Richtlinien zur einheitlichen Behandlung von Stadionverboten“ auf gemeinsame Grundsätze zur Vergabe von Stadionverboten geeinigt. Fans kritisieren insbesondere die verpflichtende Verhängung von Stadionverboten auf Grund eines aufgenommenen Ermittlungsverfahrens. Bei vielen Fans stellt sich im Laufe der Ermittlungsverfahren heraus, dass ihnen keine Schuld nachgewiesen werden kann oder die Betroffenen sogar unschuldig sind. „Dennoch müssen die meisten Fans in diesem Zeitraum auf Grund des verhängten Stadionverbots mit erheblichen Einschränkungen ihrer freien Lebensgestaltung leben“, fasst ProFans-Sprecher Jonas Negenborn zusammen.

Immer wieder muss dabei festgestellt werden, dass die Verbände und Vereine mit unterschiedlichen Maß messen. Das aktuelleste Beispiel datiert vom 3. November 2015 – an diesem Tag verkündete die Frankfurter Staatsanwaltschaft die Aufnahme von Ermittlungsverfahren gegen Wolfgang Niersbach, Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt auf Grund des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall.

Die „Richtlinien zur einheitlichen Behandlung von Stadionverboten“ sagen unter $4(3)15:
Ein überörtliches Stadionverbot (§ 1 Abs. 5) soll ausgesprochen werden bei eingeleiteten Ermittlungs- oder sonstigen Verfahren, insbesondere in folgenden Fällen (schwerer Fall):
[…]
15. Sonstige schwere Straftaten im Zusammenhang mit Fußballveranstaltungen.

Eine Steuerverkürzung in einem besonders schweren Fall ist dem Strafmaß nach als schwere Straftat zu werten. Das Strafmaß bei einer Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall beläuft sich auf 6 Monate bis 10 Jahre und ist damit höher als bei zahlreichen Tatvorwürfen, für die Fußballfans Stadionverbote erhalten haben. Sollten die Vorwürfe tatsächlich zutreffen, steht es für ProFans und die angeschlossenen Gruppen außer Frage, dass diese Straftat in einem direkten Zusammenhang mit einer Fußballveranstaltung stattfand.

„Grundsätzlich lehnt ProFans Stadionverbote ab und wir begrüßen es, dass für die beschuldigten Herren auch öffentlich die Unschuldsvermutung greift“, bewertet ProFans-Sprecher Nicolai Mäurer den Vorgang. „Nur müssen dann die Vereine und Verbände so konsequent sein und dies für alle Betroffenen gelten lassen. Was zur Zeit passiert, ist eine schreiende Ungerechtigkeit.“

Daher fordert ProFans die Aufhebung aller auf Grund von laufenden Ermittlungsverfahren zur Zeit noch gültigen Stadionverbote, sowie die Aufhebung aller Stadionverbote, die noch in Kraft sind, obwohl das Verfahren nach § 153 StPO eingestellt wurde. Auch in den letzteren Fällen ist die Schuld der Betroffenen nicht erwiesen. „Wir fordern daher: Stadionverbote und ihre bisherige Vergabepraxis gehören abgeschafft – für alle!“ betont ProFans-Sprecherin Ela Mateika.

ProFans im Januar 2016

„Alle hin da!“ …

… oder anders gesagt: MITMACHEN! beim Aufruf unseres Fanladens:

Viele haben es bereits mitbekommen: Durch eine Anfrage von Christiane Schneider/ Die Linke ist die Existenz einer bisher geheim gehaltenen Datei der Hamburger Polizei öffentlich geworden. Hierin werden vor allem Daten von und über Fußballfans gespeichert. Dabei handelt es sich nicht um eine Liste straffällig gewordener Hooligans. Es reicht offenkundig bereits, als Begleitung einer Person gesehen worden zu sein, bei der die Polizei vermutet, dass sie künftig eventuell Straftaten verüben wird. Ein unerträglicher und unhaltbarer Zustand!

Um der Behörde nun ein wenig von dem Druck zurück zu geben, der hier auf Fußballfans aufgebaut wird, rufen wir alle Interessierten auf, unseren Auskunftsbogen auszufüllen und mit Ausweiskopie an die angegebene Stelle zu schicken. Dabei ist vollkommen unerheblich, ob ihr damit rechnet, in der Datei geführt zu werden! Das kann jede und jeden betreffen! Daher sollte auch jede und jeder ein Auskunftsersuchen abschicken!

Solidarität ist unsere Waffe!

Den link zum Auskunftsersuchen findet ihr auf unserer homepage hier.

Geheime SKB-Datenbank für Hamburg bestätigt

Also doch! Was wir alle seit Jahren vermutet haben, hat sich jetzt bestätigt:
Auch die Hamburger Polizei führt eine bis dato geheime eigene Datei „Gewalttäter Sport“. Und da von Seiten der Polizei in Hamburg immer gerne übers Ziel hinausgeschossen wird, umfasst diese „Datei Gruppen- und Szenegewalt“ nicht nur vermeintliche „Gewalttäter Sport“ sondern auch „Begleitpersonen“ – Willkür allez.
Nachdem noch 2014 auf die Frage unseres Fanladens die Existenz einer solchen Datensammlung dementiert wurde, musste die Polizei im Zuge einer „Kleinen Anfrage“ der Linken-Politikerin Christiane Schneider jetzt zugeben, dass sie seit 2006 eine solche SKB-Datei führt – und zwar ohne Löschfristen.
Wie auch bei der bundesweiten „Datei Gewalttäter Sport“ wird man nicht darüber informiert, wenn man in einer solchen Datensammlung landet. Es ist also ratsam, regelmäßig von sich aus nachzufragen, ob man in der Datei geführt wird – bevor es sonst bei der nächsten Auslandsreise unter Umständen Probleme gibt und der Flieger weg ist.

Wenn ihr Fragen habt oder Hilfe braucht, wendet euch an:
Braun-Weiße Hilfe
Fanladen St. Pauli
ProFans (Download Antragsformular für GWS-Datei)
Fanrechtefonds
AG Fananwälte

Liste der Datensicherung in HH pro Verein:

Borussia Dortmund 30
Borussia Mönchengladbach 14
Eintracht Braunschweig 26
Eintracht Frankfurt 16
Erzgebirge Aue 1
FC Augsburg 4
FC Energie Cottbus 6
FC St. Pauli 426
FSV Mainz 05 10
Hamburger SV 1.070
Fortuna Düsseldorf 25
Hallescher FC 2
Hannover 96 19
Hansa Rostock 40
Hertha BSC Berlin 25
Holstein Kiel 8
Karlsruher SC 14
MSV Duisburg 3
SC Freiburg 3
SC Paderborn 6
Schalke 04 17
TSG Hoffenheim 2
TSV München 1860 60
VfB Oldenburg 1
VfB Stuttgart 6
VfL Bochum 2
VfL Wolfsburg 9
VfB Lübeck 27
Waldhof Mannheim 1
Werder Bremen 29
Vereinszuordnung unbekannt 75

Weitere Links…
Kleine Anfrage 04.01.2016
Anfrage nach dem Hamburger Transparenzgesetz 10.07.2014

Pressemitteilung Roter Stern Leipzig

Roter Stern Leipzig ́99 e.V. sammelt für Betroffene von Nazi-Gewalt

am 11. Januar um 19:30 Uhr wütete ein nazistischer Mob in Leipzig-Connewitz, das klar antifaschistisch positioniert ist. Während die Nazihooligans auf ihrem Weg (Biedermannstr. – Hermannstr. – W.-Heinze Str.) erschreckend ruhig und geschlossen waren, entlud sich die Gewalt vor allem im direkten Umkreis unseres Roter Stern Leipzig-Fanladens. Glücklicherweise gibt es an unserem Laden selbst keine nennenswerten Schäden, dennoch waren auch wir als antifaschistisches Sportprojekt ein Ziel dieses Angriffes. Darüber hinaus wird die rassistische und gewaltsuchende Motivation der Angreifer dadurch unterstrichen, dass ein benachbarter Imbiss, der von einem migrantischen Besitzer geführt wird, im besonderen Maße angegriffen wurde.

Wir zeigen uns als Verein solidarisch mit den Opfern der neonazistischen Gewalt und möchten die Betroffenen – auch finanziell – unterstützen. Deswegen rufen wir gemeinsam mit der Amadeu Antonio Stiftung zu einer Spendenaktion auf. Die Spenden sollen an die Läden und Geschäfte gehen, die direkte Schäden (Schaufenster, Inneneinrichtung usw.) zu begleichen haben, insbesondere jene ohne Versicherungsschutz.

Bitte berichten Sie über folgendes Spendenkonto:
Opferfonds CURA der Amadeu Antonio Stiftung,
Stichwort: Leipzig
GLS Bank Bochum BLZ 430 609 67 Konto 6005 0000 02
IBAN: DE75 4306 0967 6005 0000 02 BIC: GENODEM1GLS

Wir möchten im Zusammenhang mit den gestrigen Ereignissen an dieser Stelle auch noch einmal auf die Spielabsage unseres Vereins am 12. Dezember 2015 eingehen. Wir hatten diese auch mit der Gefährdungslage bei jenem Auswärtsspiel in Liebertwolkwitz im Zuge der am selbigen Tag angekündigten Nazi-Demonstrationen begründet. Die Polizei Sachsen folgte dieser Einschätzung nicht, so dass der Sächsische Fußballverband unsere Absage als unbegründet ablehnte. Nach den Ereignissen von gestern, bei denen 250 Nazis weitestgehend ungestört nach Connewitz ziehen konnten, wahrend 3.000 Polizist_innen in der Stadt Leipzig im Einsatz waren, sehen wir uns in unserer Gefahreneinschätzung und der daraus resultierenden Absage vom 12. Dezember 2015 bestätigt.

Wir sind nicht geschockt ob der Ereignisse vom 11.01.2015. Wir sehen uns eher bestärkt in unserem Engagement gegen Faschismus und Diskriminierung. Wie erste Ermittlungsergebnisse zeigen, haben nicht unbeträchtliche Teile der Angreifer vom 11.01. Verbindungen zur Nazi- und Hooligan-Szene. An den Aufmärschen von Legida beteiligte sich im gesamten letzten Jahr immer ein geschlossener, gewaltsuchender Block der ‚Brigade Halle‘ bzw. aus dem Umfeld der ‚Saalefront‘. Gegendemonstrierende und Journalisten wurden angegriffen. Mit Silvio Rösler kann eine Personalie aus dem nazistischen Hooliganmilieu benannt werden (Link). Gerade deswegen ist eine entschlossene antifaschistische Positionierung auch und im Besonderen im Fußball notwendig.

Forza Roter Stern

Pegida NRW stoppen!

Kundgebung, 09.01.2016, 12 Uhr, Breslauer Platz

Anlässlich der Männerübergriffe auf Frauen an Silvester ruft PEGIDA NRW unter dem Motto „PEGIDA schützt“ für Samstag, 14:00 Uhr, zu einer Kundgebung auf dem Breslauer Platz auf. Die Berichte der Opfer, dass es sich bei den Tätern um „nordafrikanisch“ und „arabisch“ aussehende Männer handele, rufen – wie zu erwarten – Rassisten aller Couleur auf den Plan. Sie versuchen, die berechtigte Empörung über die gewalttätigen, sexuellen Übergriffe auf Frauen für die Verbreitung ihrer menschenverachtenden Ideologie zu nutzen. (…)

Aufruf und weitere Infos