Archiv für Januar 2015

ProFans-Interview bei „Faszination Fankurve“

Ausführliches Interview mit ProFans in 2 Teilen:

„Sanktionen vom DFB sind nicht nachvollziehbar“

Die Organisation ProFans, in der zahlreiche Ultràgruppen organisiert sind, stand im großen Winterinterview Rede und Antwort. Im ersten Teil geht es um das derzeit stark diskutierte Thema der DFB-Strafen, aber auch um Anstoßzeiten, erlaubte Fanutensilien und den Dialog mit DFB und DFL.

Faszination Fankurve:Der letzte Fankongress in Berlin liegt jetzt etwas über ein Jahr zurück. Was hat sich seitdem für aktive Fans in deutschen Stadion verändert?
ProFans: Wenn wir jetzt sagen würden, dass die Signale der Verbände und Vereine nach dem Fankongress klar in Richtung Dialog gingen und sich dieser mehr auf Augenhöhe justieren lasse, wäre es nur eine Wiederholung einiger unserer Aussagen nach dem ersten Fankongress. Gerade an dem Thema Verbandsstrafen reibt man sich mittlerweile auf, und man wird wohl bald wieder an einem Punkt ankommen, an dem der Dialog in diesem Zusammenhang auf den Prüfstand gestellt wird. Die Tatsache, dass Fußballfans in der öffentlichen Diskussion immer noch als eine Gefahr wahrgenommen werden, Gewerkschaftsfunktionäre, Politdemagogen und Hardliner unter den Funktionären ein größeres Gehör erhalten als Fanorganisationen und es dementsprechend immer wieder zu unverhältnismäßigen Maßnahmen gegen ganze Fangemeinschaften kommt, macht die Sache natürlich nicht einfacher.

Faszination Fankurve: Zu Saisonbeginn habt ihr euch dem Thema Anstoßzeiten verstärkt angenommen. Wie fällt euer Fazit aus?
ProFans: Wir haben das Thema wieder in die öffentliche Diskussion gebracht und waren ein Stachel für das Gemüt der DFL. Die Einführung des „SAM“ (SpielAnsetzungsMonster) war wichtig. Auf diese Weise gibt es von uns einen monatlichen Überblick auf die konkreten fanunfreundlichen Ansetzungen. Außerdem können die betroffenen Fanszenen mit dieser Vorlage selbst aktiv werden und protestieren. Das wurde von den bisherigen Gewinnern auch getan. Für uns war es ein guter Erfolg, dass sich mit Ingo Schiller (Hertha BSC) und Klaus Hofmann (FC Augsburg) zwei führende Vereinsvertreter unseren Forderungen angeschlossen haben. Es wäre klasse, wenn noch mehr Vereinsvertreter in der Rückrunde den SAM-Gewinn für eine öffentliche Unterstützung nutzen würden. Denn, machen wir uns nichts vor: Die Worte der Vereine haben bei der DFL ein vielfach höheres Gewicht, als die der Fans. So traurig das auch ist. Ein Schulterschluss zwischen Vereinen und Fans könnte in dieser Sache sehr wirksam sein. Wenn z.B. die Zweitliga-Vereine ein einheitliches Votum gegen das Montagsspiel abgeben würden, wäre das Ding doch erledigt. …

Weiter geht es mit Teil 1 des Interviews

Bloße Neuauflage des Fankongresses kommt nicht in Frage

Im zweiten Teil des großen Winterinterviews zieht ProFans ein Fazit zum NRW-Pilotprojekt, informiert über den Stand der Planungen für einen Fankongress 2016, erklärt was die DFL zu einem Montagsspiel in der 1. Bundesliga sagt und äußert sich zu den Themen RB Leipzig und HoGeSa.

Faszination Fankurve: In Nordrhein-Westfalen gab es ein Pilotprojekt, das weniger Polizisten bei Nicht-Risikospielen vorsah. Welche Erfahrungen haben die in ProFans organisierten Gruppen mit dem Projekt gemacht?
ProFans: Weniger Polizei bei Fußballspielen – das finden wir natürlich gut. Wir haben auch positive Rückmeldungen bekommen. Viele Fans fühlen sich durch weniger Polizei freier und mehr wie „normale Bürger“ behandelt. Die Festlegung, was denn nun genau ein „Risikospiel“ ist und was nicht, erscheint derweil immer noch ziemlich undurchsichtig. Es hat Spiele gegeben, bei denen weniger Polizei eingesetzt wurde, obwohl es eine gewisse Rivalität zwischen den Fanszenen zu verzeichnen gab. Das könnte auch als gewisse Provokation gedeutet werden. Als aufmerksame Beobachter verfolgen wir natürlich, ob Vorfälle bei solchen Spiele nicht im Nachhinein benutzt werden, um das Projekt als „gescheitert“ zu deklarieren. Zudem beobachten wir genau, ob – wie einige Spiele vermuten lassen – die offensichtliche Polizeipräsenz zwar heruntergefahren wird, aber dafür vielen Fußballfans – auch ohne Stadionverbot – mit anderen polizeilichen Maßnahmen, wie z.B. Betretungsverboten, zu Leibe gerückt wird. Insgesamt können wir den Fans natürlich nur empfehlen, den Sicherheitsfanatikern nicht unnötige Vorlagen zu liefern.

Faszination Fankurve: Mit Sandra Schwedler ist eine langjährige ProFans-Mitwirkende nun im Aufsichtsrat eines Bundesligisten. Ist der „Marsch durch die Institutionen“ nicht möglicherweise der erfolgreichere Weg, als ständig Protestspruchbänder in den Fankurven zu zeigen?
ProFans: Dass Sandra in dieses Amt gewählt wurde, ist natürlich eine wunderbare und seltene Anerkennung ihres Engagements als Fanvertreterin und wir hoffen, dass sie einiges bewegen kann. Erfolgreich kann der der Weg nur dann sein, wenn er auf allen Ebenen verfolgt wird. Die Proteste in den Kurven sind ebenso notwendig wie der Dialog mit den Verbänden, das Suchen nach politischem Gehör und eben auch die Einflussnahme in den Vereinen. …

Fortsetzung Teil 2

Lesen und mitdiskutieren

Wir möchten euch auf einen relativ neuen Blog aufmerksam machen, der nicht nur zum Lesen einlädt sondern auch zum Mitdiskutieren:

About
Im letzten Zyklus der Kämpfe betrat eine deutlich wahrnehmbare neue Kraft die Bühne der Revolte: Die Beteiligung von Fußballfans an den derzeit weltweit statt findenden Protesten, Riots und Aufständen ist unübersehbar. Die Supportergruppe Çarşı von Besiktas organisierte im letzten Sommer die ersten Nachbarschafts-Versammlungen in den Istanbuler Stadtteilen, war während der Gezi-Park-Besetzung sehr aktiv und kämpfte somit nicht nur in dem ihr zugetrauten Sinne an vorderster Front gegen das Erdoğan-Regime. Schon beim Dezember-Aufstand in Griechenland 2008, ausgelöst durch einen von der Polizei erschossenen Schüler, waren Fußballfans an den massiven Riots beteiligt wie auch bei jenen kürzlich in Portugal, Spanien sowie auch Bosnien-Herzegowina. Die Ultras von Hapoel Tel Aviv beteiligten sich an den Occupy-Protesten in Israel 2011/12 und selbst größten Fußballhassern dürfte es nicht verborgen geblieben sein, dass nordafrikanische Ultragruppen einen erheblichen Anteil an den militanten Auseinandersetzungen – und nicht nur an ihnen – während des sogenannten arabischen Frühlings hatten und immer noch haben

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