Archiv für Dezember 2013

Spielfreie Zeit …

… ist keine Freizeit.

Aber zum Beispiel Zeit sich die ganzen ungelesenen Fußballhefte und Zines vorzunehmen und da empfehlen wir euch – nicht etwa wegen des darin enthaltenen Interviews mit uns ;-) – das neue Unterwegs, das ihr noch hier bestellen könnt.

Bei der ganzen Abhängerei und Schlemmerei ist Bewegung verdammt wichtig, damit die Carhartt nicht kneift. Dagegen helfen regelmäßige Streifzüge durch die jeweiligen Viertel, denn es gibt immer etwas zu reinigen und zu verschönern. Muss ja nicht so ausarten wie bei denen hier:

Wie auch immer, habt eine gute Zeit und wir sehen uns spätestens nächstes Jahr wieder!

Fotos (alt) und Spruchband (neu)

Ein paar Fotos vom Heimspiel gegen Köln und vom Auswärtssieg in Aue sowie eine kurze Erklärung zu unserem gestern gezeigten Spruchband.

Auch innerhalb unserer Gruppe ist die Diskussion zum Verhältnis gegenüber Pro Fans noch nicht abgeschlossen. Ganz abgesehen von der Frage, ob der Versuch einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit Funktionären von DFB und DFL oder gar Polizeivertretern überhaupt Sinn macht. Trotzdem halten wir alleine die Tatsache, dass sich engagierte Fans verschiedener und nicht gerade miteinander befreundeter Vereine zusammen tun, um Politik zu machen, für unterstützenswert. In dem Sinne also „Alle hin da!“ und ebenfalls wichtig: spendet!

Foto USP

Aktionsspieltage zum Fankongress

Aufruf der Organisator_innen des Fankongress 2014:

Wir rufen alle Fans in den Kurven des Landes dazu auf, den Fankongress 2014 zu unterstützen. Nutzt die letzten beiden Spieltage vor der Winterpause, um mit Spruchbändern und Aktionen im Stadion auf diese wichtige Veranstaltung hinzuweisen. Zeigt allen Kritikern, was für ein Potential in uns steckt! Informiert euch, verlinkt und verbreitet diese Seite, sammelt Spenden und unterstützt damit den Fankongress 2014. Denn da wir auch bei diesem Fankongress unabhängig bleiben wollen und den Kongress selbstständig von Fans für Fans organisieren, sind wir auch auf eure finanzielle Unterstützung angewiesen. Jeder kleine Beitrag hilft uns weiter. Helft mit beim nächsten Schritt zum Erhalt unserer Fankultur!

Die Organisatoren
ProFans & Unsere Kurve im Dezember 2013

Infos und mehr

Pyro? Pyro!!!

Endlich! Mit großer Freude, Zustimmung und Solidarität dokumentieren wir die Stellungnahme von Ultrà Sankt Pauli zum Einsatz von Pyrotechnik:

Stellungnahme zum Einsatz von Pyrotechnik

Sowohl mit dieser und kommenden Publikationen, als auch mit der Choreographie beim Spiel gegen Köln möchten wir eine sachlichere und anders gelagerte Diskussion über Pyrotechnik beginnen – kurzfristig innerhalb der eigenen Fanszene und hoffentlich mittelfristig auch darüber hinaus. Wir empfinden die Wahrnehmung dieses Stilmittels in Deutschland als nicht passend und wollen uns damit beschäftigen, warum dem so ist und wo wir Lösungen sehen.

Anfang bis Mitte der 90er Jahre, als viele von uns begannen, diesen Club zu lieben, brannten in der Gegengerade und auch Nordkurve bei jedem Abendspiel Bengalos – an unterschiedlichen Stellen, völlig unorganisiert und recht chaotisch. Genauso wie am Betzenberg, dem Dortmunder Westfalenstadion und vielen weiteren Stadien. Fans, Reporter und Funktionäre lobten die südländische Atmosphäre. Auf offiziellem Merchandise wurde mit Bengalofotos geworben, TV Sender und Zeitschriften wie Kicker oder Sport Bild garnierten Ihre Geschichten mit leuchtendem Rot – die Fackeln waren weitgehend als Teil der Fankultur akzeptiert.

Mit dem Aufkeimen der Ultràbewegung veränderte sich zunehmend Wahrnehmung und Darstellung von Pyrotechnik. Es wurde aufgrund des Verfolgungsdrucks oftmals leicht zu schmuggelndes Rauchpulver eingesetzt bzw. andere Pyrotechnik einfach auf den Boden geworfen, um unentdeckt zu bleiben. Manchmal wurden Bengalos geworfen oder kullerten auf dem Boden herum und entzündeten so Fanmaterialien, bei anderen Spielen flogen Böller, manchmal geschah auch alles gleichzeitig. Zunehmend veränderte sich auch die Beurteilung der Medien, Funktionäre und Fans zu diesem Thema. Schnell wurde von “Ausschreitungen” und “Randale” gesprochen, es war die Rede von “Chaoten” und dramatischen „Bildern, die wir nicht sehen wollen“. Ultras entwickelten sich in dieser Zeit zum Feindbild Nummer eins der Fußballfunktionäre und auch der Polizei, die nahezu ihre gesamte aufgeblähte Struktur nach dem Abebben der Hooligan-Kultur auf die jugendlichen Fans in den Fankurven ausrichtete. Obgleich es sich um ein völlig anderes Phänomen als den klassischen Hooliganismus handelte, gab es beim Umgang mit Nonkonformität wie so häufig leider nur ein Vorgehen: Repression.

Pyrotechnik verschwand in diesen Jahren mehrheitlich aus den Stadien. Der ungezügelte und von Vermarktungserlösen getriebene Medienrummel rund um den Fußball und das brachiale Vorgehen von Polizei und Verbänden mit dem Ziel, eine “saubere” Weltmeisterschaft 2006 auszurichten, bei der die wilden Kurven doch so gar nicht zum Fanmeilen-Publikum und zum neu entdeckten Party-Nationalismus passen wollten, zeigte Wirkung. Im Laufe der Jahre veränderten diese Umstände die öffentliche Wahrnehmung. Was früher sehr positiv aufgenommen wurde, stieß nun auch am Millerntor auf immer mehr Ablehnung, wurde in Einzelfällen absurderweise gar mit “Nazis raus!” kommentiert – übrigens ohne, dass deswegen wiederum andere pfiffen.

Durch die gestiegene Vernetzung und Selbstreflektion deutscher Ultras veränderte sich in den letzten Jahren auch die Einstellung innerhalb der Szene zu Pyrotechnik. Initiativen wurden gegründet und verbuchten deutliche Erfolge, vielerorts wurde die Diskussion um das Feuerwerk in den Kurven wieder aufgenommen, die Gruppen wurden stärker und mutiger, insgesamt waren immer weniger Leute bereit, sich übertriebene Hysterie und Bevormundung gefallen zu lassen. Sogar erste Gespräche mit Vereinen und Verbänden verliefen erfreulich. Heute vergeht kein Spieltag, ohne dass Fangruppen beweisen, was für eine Bereicherung dieses Instrument für das Kurven- und Fußballerlebnis sein kann. Diverse Spieler und Funktionäre finden differenziertere Worte und plädierten für einen anderen Umgang mit der vielmals gescholtenen Zündelei.

Der DFB und einige Medien ziehen Ihre Linie jedoch weiter stoisch durch und der Verband drangsaliert seine Vereine mit absurden Strafen. Selbst bei kreativem und völlig friedlichem Einsatz heißt es schnell, „die hässliche Fratze des Fußballs“ zeige sich und ebenso schnell bekommt der jeweilige Verein Strafen für seine “sogennanten Fans” aufgebrummt. In den Medien findet nur eine Seite Gehör. Dieses führt in der Wahrnehmung vieler Fans leider zu einer Ablehnung von Pyrotechnik – „sieht super aus und schadet keinem, aber ist ja verboten und kostet uns Strafen.“ Hier möchten wir ansetzen in unserer Diskussion, denn wir können und wollen uns dieser Argumentation nicht mehr anschließen. Es ist schlicht nicht zu akzeptieren, dass sich die Fußballbonzen in Frankfurt die Definitionsmacht darüber anmaßen, wie eine Fankurve auszusehen hat, was zu unserer Kultur gehören darf und was nicht.

Stricken wir die Denke des DFB einmal weiter, dann können wir sie auf andere Teile der Fankultur ausweiten und plötzlich sind Fahnestangen dauerhaft verboten, bestimmte Transparente, unpassende Gesänge oder gar Auswärtsfahrten. Dafür gibt es dann bei “Regelverstößen” Strafen, die Vereine schütteln sich ob der großen Kosten und irgendwann wird über Fahnen argumentiert, sie sähen zwar wunderschön aus, seien aber wegen Vorfällen in der Vergangenheit nun mal verboten und ziehen empfindliche Strafen nach sich. Undenkbar? Mit den Fackeln nahm es mal einen ähnlichen Verlauf und wir möchten diesen gerne unterbrechen. Der Sicherheits-, Kontroll- und Regulierungswahnsinn ist immens, und er droht vieles von dem kaputt zu machen, was den Fußball und seine Kultur ausmacht.

Die Diskussion wird facettenreich und schwierig sein, denn das Thema ist komplex und entwickelt schnell eine enorme Dynamik. Wir wollen zeigen, dass Pyrotechnik sicher und bereichernd sein kann – als weiteres Stilmittel in den Kurven. Der rauchende Joint beim Spiel gegen Frankfurt, jetzt die mysteriöse Voodooküche gegen Köln und der Gruß an Walter Frosch, bunte Lichter und Farbtupfer, die ihren Teil dazu beitragen, aus schnöden Betonstufen etwas Erlebenswertes und Fantastisches zu machen – unser Fankultur. Sie sind Wegweiser, wohin es führen könnte.

Wir erhoffen uns eine Diskussion mit Fans, Spielern und Vereinsoffiziellen, sogar mit Teilen der Medien. Wir möchten, dass Pyrotechnik nicht weiter geächtet, sondern als normaler Teil der Fankultur angesehen wird. Wir wollen über Gefahren und Möglichkeiten sprechen und auch einen weiteren Schritt in Richtung kreativer, bunter aber auch wilder Kurven machen. Denn eins steht fest, so lange es Fans gibt, wird es auch Pyrotechnik geben.

Keinen Schritt zurück!

Ultrà Sankt Pauli

Fankongress 2014

„DER FANKONGRESS 2014″

In den vergangenen 18 Monaten wurde viel über Fans gesprochen und über Maßnahmen, die einen sicheren Stadionbesuch angeblich noch sicherer machen würde. Es wurde seitens der Verbände mit den Vereinen, der Politik und der Polizei diskutiert. Die Meinung der Fans wurde viel zu spät gefragt und nicht wirklich berücksichtigt. Die Medien griffen einzelne Vorfälle auf und schufen mit Hilfe von Politik und Polizeigewerkschaften ein Szenario des Fürchtens: ein Stadionbesuch in Deutschland sei nicht mehr sicher. Die Einflussnahme der sogenannten öffentlichen Meinung haben die Medien geschafft. Laut einer aktuellen Umfrage halten weiterhin 96 % der Stadiongänger einen Besuch in einem Stadion für sicher, aber nur 62 % der Nicht-Stadiongänger denken, dass ein Besuch in einem Fußballstadion hierzulande noch sicher wäre.
Nun sind wir Fans dran. Es reicht mit populistischen, überzogenen Aussagen in den Medien. Wir haben genug von irgendwelchen unangebrachten Sicherheits- oder „Erziehungs“maßnahmen. Lasst uns den blinden Aktionismus stoppen und uns gemeinsam nach Lösungen suchen. Nach Lösungen für ein fanfreundliches Stadionerlebnis. Damit alle den Fußball erleben können, wie sie ihn lieben.
Daher laden wir alle Fans, Fanprojektmitarbeiter, Fanbeauftragte, Vereins- und Verbandsvertreter, Wissenschaftler sowie Politiker ein, um mit uns über ein fanfreundliches Stadionerlebnis zu reden, zu philosophieren und zu diskutieren. Wir wollen über Mitbestimmung in den Vereinen reden, über Heim- und Auswärtskurven, über Möglichkeiten der Selbstregulierung bei diskriminierenden Vorfällen, über Fan- und Sozialarbeit in den Kurven, über Grundlagen bei der ehrenamtlichen Medienarbeit, über Existenz-Probleme der kleineren Vereine, über das Verhältnis zwischen Fußballfans und der Polizei und über vieles mehr.
Kommt zahlreich am 18. und 19. Januar nach Berlin zum Fankongress 2014: „Fanfreundliches Stadionerlebnis: Wie Fans den Fußball wollen“.

Grundkonsens der Veranstalter_innen

Zum Programm, zur Anmeldung und weiteren Infos geht’s hier.