Rezension: Johnny Mauser – Die Sendung mit dem Mauser!

Johnny Mauser, Zeckenrap aus Hamburg-City! Nach unterschiedlichen Samplerbeiträgen, dem ersten Album „Politisch motivierte Sprachgewalt“, dem Feature-Album mit Cpt. Gips, „Neonschwarz“, nun der nächste Streich: „Die Sendung mit dem Mauser“! Eigentlich schon im letzten Jahr erschienen, wie immer als Download für umme – jetzt endlich mal als schickes Vinyl via Audiolith!

Zu hören gibt es die gewohnt politischen Texte auf sehr derben Beats, die mal tanzbarer sind (wie z.B. bei: „Unseriös“ oder „Ein bisschen mehr“), oder mal mehr zum ruhigen Koppnicken und Zuhören einladen, wie bei „Unter dem Grund“ oder „Quatsch mich nicht voll!“. Es darf aber auch mal poppig angehaucht sein, hier ist zum Beispiel der Titel „Auf der anderen Seite“ zu nennen.
Mit „Mauser & Gips bleiben“, gibt es eine Ansage an die Presse & auf die Indizierung ihres „Flora bleibt“-Track vom gemeinsamen Feature-Album, und der Song „Schnipp zu dem Schnapp“ dankt allen fleißigen Händen in VoKüs, AZs oder sonstigen netten Locations!
Neben allen politischen Ansagen, Inhalten etc, werden hier auch graue Alltagsszenarien in Reime verpackt, die wohl jede/r von uns kennt und schon so erlebt hat! Da es auch Zeilen gibt, die wohl mit einem Augenzwinkern und dickem Grinsen entstanden sind & das Album soundtechnisch nie langweilig wird, wirkt alles noch mal besser, fetter und trotz allem unseriös, echt reif und strukturierter …

Feature-Künstler sind natürlich auch vertreten, so darf Cpt. Gips bei vier Tracks ran … und wie gewohnt sind die beiden zusammen ein starkes Duo! Crashkid, PeerPlex & Plurioso geben ebenfalls ihre Zeilen zum Besten und Marie Curry kann bei zwei Tracks mit ihrer genialen Stimme überzeugen!

Abgerundet wird das Ganze, von einem schönen Intro und Outro, für das hier DJ Profile und Spion Y verantwortlich sind, ebenso wie für sonstige Sounduntermalung auf diesem Album!

Also, reinhören und dann schnell Audiolith anschreiben, damit die euer Paket schnüren können!

Rüdigger

Letztens hat sich die Rezensionsmafia auf der Hinterbank des Van nochmal über die Tracks ausgetauscht und mit Anweisungen wie „mach mal lauter/mach mal nächsten Track/mach noch mal von Anfang“ zumindest einen weiteren Fahrgast bis zum Siedepunkt getrieben:

„Intro (feat. DJ Profile)“:
R: musikalisch voll geil, hätte man auch ein Stück draus machen können
„Unseriös (feat. Captain Gips)“:
R: heimlicher Überhit / D: Arschtritt für die Angepassten / MR: wird bestimmt so ein Tanzhit, mir gefällt die Botschaft, dass persönlicher Lifestyle keine Frage des Alters ist, wie schon bei „Ein wenig Alt“
„Quatscht mich nicht voll“:
spricht für sich, Ansage an den VS, R+D: erinnert an Ice Cube
„Schnipp zu dem Schnapp“:
R: spielt als Musiker an den richtigen Orten / D: dass das mal gewürdigt wird / MR: äußerst sympathisch und ruft Erinnerungen ans Arbeiten im AZ und auf der Rheinkultur wach
„Unter dem Grund“:
R: nennt deutsche Interpret_innen, bei denen es sich lohnt reinzuhören / MR: dadurch, dass auch Nate genannt wird, beweist er, dass er über den linken Tellerrand hinausschaut
„Mauseloch“:
augenzwinkernd, kann über sich lachen / MR: gutes Wortspiel mit dem „gan“
„Auf der andern Seite (feat. Marie Curry):
R: sie kann einen Track alleine füllen / MR: Fortsetzung von „On a Journey“, Prinzipien schmelzen dahin, wenn erstmal Emotionen im Spiel sind
„Ich weiß selber nicht wirklich“:
Alltagsfrust, deprimierend / MR: bloß nicht auf dem Weg zur Arbeit hören
„Kennt ihr den? (feat. Captain Gips):
R: gegenseitiges Abfeiern gehört einfach dazu, mit Gips zusammen richtig stark
„Ein bisschen mehr (feat. Crashkid & 2:38):
D: einprägsam, Text ist Bombe, einer von beiden Lieblingsrefrains / MR: einer der Favoriten, ruft gute Erinnerungen wach, sehr schön dass 2:38 dabei sind, die an jenem berühmten Hallenturnierfreitagabend in der Flora gespielt haben und mit ihrem „Kaputtmachen“ den Nerv des Abends getroffen haben, ich mag solche Sounds
„Der Tageshippie“:
R+D: musikalisch reizvoll, Klischees werden augenzwinkernd angegangen / MR: Axel Reitz und Fußschweiß, yes!, außerdem kennen wir alle solche nervigen Gestalten mit ihrem Antigewaltgelaber, das im Grunde auf Desinteresse und Egoismus beruht
„Feuerball (feat. Captain Gips)“:
D: Favorit, auch wegen der Beats / MR: irgendwie schon Eierschaukelei, aber positiv, das Pathetische der Beats in korrektem Kontext, sehr gut das „Quings“
„Bahnhofsmission (feat. Peer Plex)“:
R: wenn man solche Texte schreibt, darf man sich danach auch mal abfeiern
„Unter Strom (feat. Phurioso)“:
diese Stress-Situationen kennen wir leider alle / MR: besser nicht auf dem Weg zur Arbeit hören
„Mauser und Gips bleiben (feat. Captain Gips)“:
R+D+MR: das ist eine Ansage! / MR: irgendwie schon mutig, das so zu bringen, weil es auch Kritik bringen könnte, von wegen „nix Neues, Kopie“, geschickt dass der Sound nicht so wuchtig ist wie bei „Flora bleibt“
„Aus purer Feindschaft“:
R+D+MR: da fällt jedem von uns direkt mindestens ein Kaff ein, auf das dieses Szenario zutrifft / MR: zweiter Favorit, nicht zuletzt wegen der Kontrastwirkung durch das Sample
„Johnny from the Block (feat. Marie Curry)“:
MR: vielleicht an die kommende Kritik gerichtet, die wegen Labelvertrag ja schnell von „Sellout“ spricht
„Outro (feat. Spion Y)“:
R+D+MR: sehr geeignet / MR: sehr chillig, besser nicht auf dem Weg zur Arbeit hören

Fazit: absolute Steigerung in Sachen Flow, Beat und Text; unschlagbar mit Captain Gips. Wir freuen uns für Johnny Mauser und es ist cool, dass er nach den ganzen kostenlosen Downloads seine eigene Platte in der Hand halten kann.

Rüdigger, Duke und Mary Read


1 Antwort auf „ Rezension: Johnny Mauser – Die Sendung mit dem Mauser!“


  1. 1 Johnny Mauser! « Version 527 Pingback am 23. Februar 2012 um 15:58 Uhr
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