Archiv für April 2010

Stellungnahme zur Blockade der Südtribüne am 28. März 2010

Stellungnahme zur Blockade der Südtribüne am 28. März 2010

Als Mitunterzeichner des gemeinsamen Boykott-Aufrufes und in der Südkurve aktive Fangruppe sehen wir mit Befremden und Unverständnis, wie von Teilen der Fanszene, der Vereinsleitung und den Medien versucht wird, Ultrà Sankt Pauli die alleinige Verantwortung für die Vorgänge um die Blockade am letzten Sonntag zu geben.

Völlig außer Acht gelassen wird dabei die Entwicklung, die zu einer Protestaktion wie dem „5-Minuten-Boykott“ geführt hat. Statt dessen entsteht der Eindruck einer willkommenen Abrechnung mit einer für viele unbequemen Fangruppierung.

Selbstverständlich ist es nicht korrekt, wenn Besucher/innen mit arroganten Sprüchen bedacht wurden und wir bedauern, wenn es zu Situationen kam, in denen Menschen sich unwohl fühlten oder Angst bekamen.

Unsere Mitglieder standen an mehreren Zugängen und berichten, dass bis kurz vor Anpfiff immer noch Platz genug an der hinteren Wand des Durchlaufes war, um beispielsweise zuden Toiletten zu gelangen. Wenn gedrängelt wurde, so waren dies Menschen, die unbedingt ihre Sitzplätze einnehmen wollten. Hierbei kam es an einigen der Zugänge auch zu Wortgefechten mit homophoben, sexistischen und rassistischen Beleidigungen in Richtung der Blockierenden – etwas, was in der Fanszene des FC Sankt Pauli im Grunde nicht mehr vorkommen darf. Dafür haben wir jahrelang gekämpft und verteilen nach wie vor bei Auswärtsspielen den Flyer des Fanclubsprecherrates.

Zur Frage nach der moralischen Legitimation dieser in einer Blockade mündenden Protestaktion vertreten wir die Auffassung, dass es anders nicht möglich gewesen wäre, die Südkurve frei zu halten. Ausnahmen gelten selbstverständlich für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Denen hätte man den Zugang zu ihren Plätzen ermöglichen sollen und da ist vielleicht nicht mit den nötigen Augenmaß reagiert worden. Wer sich engagiert, läuft immer Gefahr Fehler zu machen. Aber ohne Fehler kein Lernprozess.

Nach den ganzen Informationen im Vorfeld über die Hintergründe zur Aussperrung der Gästefans und über die Bedeutung dieser Beschneidung der Fanrechte für uns alle hatten wir auf eine breite Unterstützungsbasis gehofft und waren von einem Minimalkonsens innerhalb der Fanszene ausgegangen. Selbst wenn man nicht die gleichen Ziele hat, den Protest nicht nachvollziehen kann und lediglich in der Süd sitzt oder steht, weil es keine anderen Karten gibt – selbst dann hätte es möglich sein können, die eigenen Interessen für einen überschaubaren Zeitraum von ungefähr einer Stunde zurück zu stellen, um uns „nervige Ultràs“ den Protest durchführen zu lassen.

Die seit Sonntag einsetzende Welle an Beschimpfungen gegen Ultrà Sankt Pauli erschreckt uns und wir hoffen, dass die Protestaktion vom Sonntag nicht zum Anlass genommen wird, die kritische Fanszene am Millerntor in ihren Aktivitäten einzuschränken und das bundesweit hoch gelobte Projekt der selbst verwalteten Kurve scheitern zu lassen.

Sankt Pauli Mafia NRW
31. März 2010